Privatsphäre

So trickst Facebook seit Neuestem seine Nutzer aus

Web
02.09.2012 10:00
Seit Jahren steht Facebook immer wieder in der Kritik, weil der Netzwerkriese es mit dem Schutz der Privatsphäre seiner Nutzer nicht allzu genau nimmt. Nun fällt der Konzern mit einem neuen Trick unangenehm auf: Facebook trickst die Nutzer mit Änderungen im Design geschickt aus, um die Zugriffsrechte von Apps auf persönliche Daten zu verschleiern.

Welche Veränderungen Facebook seit dem Start des neuen App-Zentrums im Juni vorgenommen hat, ist dem Durchschnittsnutzer vermutlich bisher kaum aufgefallen.

Und genau darin liege die Gefahr, erklärte der Unternehmer Avi Charkham bei "TechCrunch". Charkham arbeitete unter anderem an "MyPermissions" mit, einer Software, die aufzeigt, auf wie viele Informationen Facebook-Apps tatsächlich zugreifen können. Die Umstellungen des sozialen Netzwerks haben es den App-Betreibern noch einfacher gemacht.

Ernste "Anfrage auf Genehmigung" ist Geschichte
Facebook hat nämlich die Zustimmungserklärung für Nutzer, die eine App auf Facebook nützen wollen, gründlich überarbeitet. Im Bild links siehst du die alte, rechts die neue Variante. Zuvor wurde der Nutzer unter "Anfrage für Genehmigung" in großer Schriftart darüber informiert, welche Nutzerinformationen eine App verlangt. So stand in dicken schwarzen Buchstaben zum Beispiel, dass die App "auf meine allgemeinen Daten zugreifen" will. Darunter wurde erklärt, dass es sich dabei um Name, Profilbild, Geschlecht, Freundesliste und vieles mehr, das öffentlich verfügbar ist, handelt. Außerdem wurde, ebenfalls fett markiert, beschrieben, wenn eine App dem User E-Mails schicken oder auf dessen Pinnwand posten wollte.

Infos nun unauffällig platziert
Diese ausführliche Erklärung sowie die Hervorhebung der einzelnen Punkte zur besseren Übersicht sind nun Geschichte. Im neuen App-Zentrum steht stattdessen in unauffälligem Grau rechts außen lediglich: "Durch das Anklicken von 'Spiel spielen' oben, erhält diese Anwendung:", anschließend wird aufgezählt, auf welche Nutzer-Infos die App zugreifen kann.

Nur wer nachbohrt, sieht Details
Die Details aber versteckt Facebook vor dem oberflächlichen Betrachter. So steht zum Beispiel nur noch "Deine allgemeinen Informationen", gefolgt von einem Fragezeichen. Nur wer mit der Maus darüberfährt, sieht, was sich dahinter verbirgt: Die allgemeinen Informationen beinhalten Name, Profilbild, Geschlecht, Netzwerke, Nutzerkennnummer, Freundesliste und alle anderen öffentlich zugänglichen Daten. Statt dies aber - wie früher - komplett aufzuzählen, muss der Nutzer selbst auf die Idee kommen, das kleine Fragezeichen unter die Lupe zu nehmen.

Wahlmöglichkeit entfällt
Ebenfalls ein neuer Trick Facebooks: Bei der früheren "Anfrage auf Genehmigung" gab es zwei Antwortmöglichkeiten - "Zulassen" und "Nicht zulassen". Der Nutzer merkte aufgrund der klaren Wortwahl, dass er etwas Wichtiges entschied, das er auch ablehnen konnte. Nun entfällt diese Wahl: Im neuen App-Zentrum gibt es nur noch den Button "Spiel spielen" - das klingt positiver und stellt den Aspekt, dass der Nutzer seiner Daten möglicherweise nicht weitergeben will, in den Hintergrund.

Button clever platziert
Ein weiterer Kniff ist die Platzierung des "Spiel spielen"-Buttons: Er ist direkt unterhalb des bunten Bildes der App platziert - die Erklärung, auf welche Nutzer-Infos diese zugreifen kann, wenn der Nutzer darauf klickt, befindet sich erst darunter. Viele User klicken vermutlich sofort auf "Spiel spielen", ohne die Privatsphäre-Infos auch nur wahrgenommen zu haben. Bei der alten "Anfrage auf Genehmigung" war es dagegen unmöglich, diese zu übersehen, denn erst folgten die Zugriffsinformationen und dann erst die Buttons für Zulassung oder Ablehnung.

Wer eine App nicht über das App-Zentrum anwählt, sondern über die Facebook-Suche, erhält übrigens immer noch eine Abfrage, die der alten - zumindest optisch - ähnelt. Allerdings ist auch hier keine Rede mehr von "Genehmigung" oder "Nicht zulassen", die Details zu allgemeinen Informationen sind ebenso versteckt wie im App-Zentrum. Immerhin, der Nutzer wird hier vor die Wahl "Spiel spielen" oder "Abbrechen" gestellt.

Facebook abgemahnt
In Deutschland wurde Facebook wegen dieser Tricks übrigens bereits abgemahnt (siehe Infobox). Der deutsche Verbraucherzentrale Bundesverband kritisierte, dass Nutzer seit der Einführung des neuen App-Stores weder einen vollständigen Hinweis erhalten, wozu die weitergegebenen Daten verwendet werden, noch sichergestellt wird, dass sie in die Weitergabe und Nutzung ihrer Daten einwilligen. Durch den Klick auf den Button "Spiel spielen" oder "An Handy schicken" werde die Einwilligung einfach unterstellt.

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