Mehr als 100 Mal haben heuer Schlepper die österreichisch-ungarische Grenze im Burgenland durchbrochen. Jetzt verlagern Schleuserbanden ihre Routen mehr in den Westen und damit auch die wilden Verfolgungsjagden mit der Polizei.
Mit 15 Syrern, Türken und Palästinensern – versteckt im Laderaum eines schrottreifen Kastenwagens – war im Winter 2022 gegen 6 Uhr in der Früh ein Schlepperduo an der Grenze bei Horitschon der Polizei davongerast. Im dichten Morgennebel verloren die Täter die Orientierung, überfuhren vor der Schule die Stopptafel und krachten an der Kreuzung Bachgasse/Feldgasse gegen einen Gartenzaun – sechs Verletzte! Der türkische Schlepper (22) und sein Komplize (46) wurden gefasst.
Auf Befehl der Bandenbosse
Seither durchbrechen Schlepper immer wieder die Grenze im Burgenland. In den vergangenen Monaten häuften sich derartige Zwischenfälle. 103 waren es bisher. Verantwortlich dafür sind die Bosse der Schleuserbanden. „Bei Kontrollen voll aufs Gas steigen und flüchten“, lautet seit Wochen das Kommando der Schlepper-Mafia.
Dramatische Entwicklung
Wilde Szenen spielten sich jetzt auch bei einer Grenzkontrolle auf dem Seebergsattel zwischen Kärnten und Slowenien ab. In einem roten Mercedes, besetzt mit sieben Syrern, raste ein Schlepper der Polizei davon. Der Moldawier riskierte Kopf und Kragen. Trotz Schneefahrbahn schnitt er im Höllentempo die Kurven, setzte zu waghalsigen Überholmanövern an und drängte zwei Dienstwagen ab. In einem Kreisverkehr in Ferlach baute der Schleuser (23) einen Unfall.
Kriminalität ufert aus
In solche gefährlichen Situation dürfte die Polizei in Kärnten künftig öfters geraten, wie Brigadier Gerald Tatzgern, Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung der Schlepperkriminalität, warnt. „Die Taktik der Schleuserbanden ändert sich. Die Routen verlagern sich, sie führen derzeit über Kroatien und Slowenien“, so das Fazit.
Der Grund seien die Grenzschließungen in Serbien, Ungarn und Bulgarien. Nach gewalttätigen Zusammenstößen unter Schlepperbanden werden die Übergänge rigoros überwacht. „Das Dilemma mit illegaler Migration, mit dem das Burgenland seit Jahren zu kämpfen hat, blüht nun auch Kärnten und der Steiermark“, sagt ein hochrangiger Ermittler.
Aktionsplan gefordert
„Österreich hat dringend einen nationalen Aktionsplan gegen die Schlepperkriminalität nötig, um die Bevölkerung und die Exekutivbeamten zu schützen“, erneuert SPÖ-Klubobmann Roland Fürst seine Forderung ans Innenministerium. Im Jänner will die SPÖ dazu einen Antrag in den Landtag einbringen und diskutieren. Mit einer Reaktion aus Wien dürfte nicht zu rechnen sein. Stattdessen weist man in der Bundeshauptstadt auf Kärntens SPÖ-Landeshauptmann Peter Kaiser hin, der sich gegen die Verlängerung von Grenzkontrollen zu Slowenien ausspricht.
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