Aufgeschobene Operationen, lange Wartezeiten auf bildgebende Untersuchungen, Gangbetten, Personalnot, Horrormeldungen aus Österreichs Spitälern. Welche Strategien jetzt rasch umgesetzt werden müssen.
Überraschend tauchten die Probleme nicht auf, war die Entwicklung ja bereits vor Jahren bis Jahrzehnten absehbar. Mit den jetzt dringend notwendigen Gegenmaßnahmen beschäftigten sich Experten bei einer Podiumsdiskussion des gemeinnützigen Vereins „Praevenire“ im Wiener Billrothhaus. Einig war man sich darin, dass der dynamische Wandel in der Medizin (wissenschaftlicher, technischer Fortschritt, Digitalisierung) auch Niederschlag im Spitals- und Gesundheitsmanagement finden müsse.
Auf ins 21. Jahrhundert
Dr. Wilhelm Marhold, Vortragender zu „Fokus Spital 2030“: „Wir können nicht die moderne Medizin und Pflege des 21. Jahrhunderts mit Strukturen des 20. Jahrhunderts betreiben!“ Ein Umdenken sei im Bereich der ambulanten Behandlung dringend erforderlich. Stichwort „Ambulantisierung“, also hin zur Tagesversorgung, wenn keine Übernachtung notwendig ist.
Wenn wir im Spital so weitermachen wie bisher, fährt das System an die Wand.
Dr. Wilhelm Marhold, Gynäkologe und Krankenhausmanager
Zudem sollen flexible zeitliche Strukturen Personalengpässe und Wartezeiten verringern. Das trage außerdem zur Reduktion der Nachtarbeitszeiten des Spitalspersonals bei, was den Beruf wieder attraktiver mache. In Deutschland ist dies gerade im Zuge der dortigen Krankenhausreform im Gange, berichten etwa die Augenkliniken. Dort erfolgen bereits mehr als 84% Eingriffe als ambulante Leistungen.
„Vom Bettendenken zum Funktionsdenken“, so das Schlagwort, das Dr. Marhold bedient. Das bedeutet, Stationen fächerübergreifend zu betreiben und in diesem Sinne zusammenzulegen. Damit stehen dem Patienten alle für ihn relevanten Spezialisten an einem Ort zur Verfügung, die Qualität steigt bei sinkenden Kosten. „Betten- und Stationssperren sind dafür nicht geeignet“, so der Gynäkologe und Spitalsmanager aus Wien.
Gegen Ärztemangel und Medikamentenengpässe
Der Ärztemangel entstand auch durch falsche Fehlzeitenberechnung (Krankenstände, Karenzierung, Ruhezeiten wurden nicht bedacht) und zu wenig Aufstockung der Dienstposten. Heimische Universitäten bilden nach eigenen Kapazitäten aus und nicht nach Bedarf. Nach wie vor wandern Jungmediziner ins Ausland ab, weil die Arbeitsbedingungen besser sind. Hier muss rasch nachgebessert werden.
Vereinfachung bürokratischer Abläufe bei der Beschaffung von in Österreich noch nicht zugelassenen ausgewählten Medikamenten, Notimporte und die Errichtung nationaler Lagerbestände sollen Arzneimittelengpässe abmildern.
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