Kam vom Kurs ab

Flug neuer europäischer Rakete ins All gescheitert

Wissenschaft
21.12.2022 13:47

Der erste kommerzielle Start der neuen europäischen Trägerrakete Vega C ins All ist schiefgelaufen. Die Rakete kam wenige Minuten nach ihrem Start vom europäischen Raumhafen Kourou in Französisch-Guyana von ihrem Kurs ab, wie Stéphane Israël, der Chef von Arianespace mitteilte. Der Raketenbetreiber stufte die Mission als gescheitert ein. Es ist nicht das erste Problem, das es bei einer europäischen Trägerrakete gibt.

Etwa zweieinhalb Minuten nach dem Start gab es ein Problem beim Triebwerk Zefiro 40, wie Arianespace bekannt gab. Datenanalysen sollen nun Rückschluss auf die genauen Gründe dafür geben.

Erst im Juli absolvierte die neue Vega C ihren Erstflug. Sie ist eine Weiterentwicklung der Vega-Rakete, die seit 2012 leichte Satelliten ins All bringt. Laut der europäischen Raumfahrtagentur (ESA) ist die neue Rakete um einiges besser: Sie kann etwa 800 Kilogramm mehr Last transportieren, ist flexibler und billiger. Gemeinsam mit der größeren Trägerrakete Ariane 6, die im kommenden Jahr mit etwa drei Jahren Verspätung erstmals in den Weltraum starten soll, soll die Vega C die europäische Raumfahrt wettbewerbsfähiger machen. Ursprünglich hatte die Ariane 6 bereits 2020 abheben sollen, doch der Start wurde mehrfach verschoben, unter anderem wegen der Corona-Pandemie.

Rakete „extrem wichtig“
Sollte der nun fehlgeschlagene Start auf ein grundlegendes Problem bei der neuen Rakete zurückzuführen sein, wäre das für die ESA ein erheblicher Rückschlag. ESA-Chef Josef Aschbacher hatte die Vega C bei ihrem Erstflug als „extrem wichtig“ für Satelliten bis circa 2,4 Tonnen bezeichnet. Der Start der Rakete, die Lasten auf Umlaufbahnen in unterschiedlichen Höhen bringen kann, habe eine neue Ära in dieser Raketenkategorie eingeläutet. Die ESA reagierte auf eine Anfrage zum fehl gelaufenen Start zunächst nicht.


Für Vega-C-Raketen sind bis einschließlich 2025 gut ein Dutzend Starts geplant. Das Vega-C-Raketenprogramm liegt in der Hand der ESA. Hauptauftragnehmer ist das italienische Unternehmen Avio. Arianespace kümmert sich um die kommerzielle Seite der Starts.

Zwei Satelliten an Bord
Die vom Kurs abgekommene Rakete hatte zwei Erdbeobachtungssatelliten an Bord. Die Flugkörper Pléiades Neo 5 und 6 von Airbus sollten eine Konstellation der Erdbeobachtungssatelliten im All ergänzen. Airbus Defence und Space kommentierte den schief gelaufenen Start der Rakete zunächst nicht.

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