Einberufungen
Parlamentschef: „Kein Schutz für Abgeordnete“
Nicht zuletzt nach dem Telefonstreich gegen den Sohn des Kreml-Sprechers, der zu einem vermeintlichen Einberufungsbefehl aufgrund der Teilmobilisierung der russischen Streitkräfte lediglich meinte, er werde das „auf höherer Ebene regeln“, ist nun eine Diskussion unter den Eliten aufgeflammt. Was bedeutet die Anordnung aus dem Kreml für sie? Muss sie auch in den Krieg ziehen? Für Parlamentschef Wjatscheslaw Wolodin ist die Sachlage ganz klar: „Es gibt keinen Schutz für die Abgeordneten.“
„Wer den Anforderungen der Teilmobilmachung genügt, sollte mit seiner Teilnahme bei der militärischen Spezialoperation helfen“, teilte der Duma-Chef am Donnerstag in seinem Nachrichtenkanal bei Telegram mit. Der Parlamentschef reagierte damit auf die wohl in Abgeordnetenkreisen nicht seltene Auffassung, für sie gelte der Aufruf Putins zur Landesverteidigung nicht.
„Einige Abgeordnete bereits im Donbass“
Ein Abgeordneter hatte gemeint, er werde im Land gebraucht. Zugleich lobte Wolodin, dass es Parlamentarier gebe, die bereits im Donbass im Einsatz seien. Eingezogen werden nach seiner Darstellung nur Reservisten mit Kampferfahrungen und militärischen Spezialausbildungen.
Der Vertraute von Putin räumte nach Straßenprotesten und Berichten über eine massenhafte Flucht junger Russen aus dem Land auch ein, dass „Fragen aufkommen, die unsere Bürger beunruhigen“. Wolodin sagte, dass die russischen Truppen in der Ukraine heute auch gegen die „Kräfte der NATO“ kämpfen. „In der Ukraine gibt es NATO-Ausbildner, Söldner aus NATO-Staaten, NATO-Technik, Waffen und Munition“, sagte er. Es müssten dort 1000 Kilometer Frontlinie verteidigt werden.
Mobilisierung „dauert Monate“
Unterdessen zweifeln Militärstrategen und Geheimdienste an Russlands Fähigkeiten zur angeordneten Teilmobilisierung von 300.000 Reservisten für den Krieg gegen die Ukraine. „Russland wird wahrscheinlich mit logistischen und administrativen Herausforderungen zu kämpfen haben, die 300.000 Soldaten auch nur zu mustern“, teilte das Verteidigungsministerium in London am Donnerstag unter Berufung auf Geheimdiensterkenntnisse mit.
Oberst Bernhard Gruber vom österreichischen Bundesheer meinte am Mittwoch gegenüber der „Krone“: Nach einer kurzen medizinischen Musterung würde die Ausbildung der beorderten Reservisten beginnen, deren Armeezeit teils schon lange zurückliegt. „Hier muss man unterscheiden: Bilde ich eine Jägergruppe aus, so ist das in ein bis zwei Monaten erledigt. Brauche ich Panzerbesatzung, dauert das länger. Und will ich einen ganzen Verband zu einer Kampfgemeinschaft machen, so dauert das Monate. Da sind wir dann schon mitten im Winter.“ Ein Problem sah Gruber in den Ausbildnern: „Präsenzeinheiten sind zu einem großen Teil in der Ukraine im Einsatz und kämpfen. Oder sind bereits gefallen.“
















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