Pommers Feierabend

Bobby Ewing, Murdoc, Sebastian Kurz

Pommer am Abend
26.04.2022 15:23

Einen schönen Dienstagabend.

Dass die österreichische Innenpolitik fernsehtauglich ist, wissen wir. Alleine Ibiza wäre eine spannende Staffel für sagen wir Netflix - man schaut sich das daheim auf dem Sofa an, Billy Bob Thornton spielt Heinz-Christian Strache, und ohne Wissen darüber, dass die Folgen auf wahren Begebenheiten beruhen, würden wohl die meisten Zuseher den Apparat ausschalten und fluchen: „So ein unrealistischer Schmarren.“ Nun hieß es sogar kurzfristig, dass ein Hauptdarsteller, voriges Jahr aus der Politserie geschrieben, wieder zum Cast dazustößt. So wie Bobby Ewing bei „Dallas“, der nach seinem Fernsehtod urplötzlich unter der Dusche stand, als wäre nichts gewesen. Oder dieser Bösewicht bei MacGyver, Sie erinnern sich vielleicht, das war der erfinderische Agent, der aus Schuhbändern, Mottenkugeln, einem Kerzenständer und Karotten eine Wasserstoffbombe bauen konnte. Sein Widersacher Murdoc stürzte Hunderte Meter in die Tiefe, fiel, von einem Stromschlag getroffen, in ein Wasserbecken, ist verbrannt, explodiert, und war trotzdem in der nächsten Staffel wieder dabei. Also wundern wir uns nicht, wenn Sebastian Kurz, womöglich etwas lädiert, eines Tages einfach so im Kreisky-Zimmer sitzt und wieder Bundeskanzler ist.

Aufgebracht hat das Thema ein periodisch erscheinendes Druckwerk mit großen Fotos. Jetzt will mir der Name der „Zeitung“ nicht einfallen, heißt wie ein Land, Sie wissen schon, dieses Blatt, in dem der Chef seine Finger oft nicht im Griff hat, wobei hier natürlich rein das Tippen auf Tastaturen gemeint ist. Auf einer ganzen Seite ist am Sonntag eine Art Artikel erschienen, gleich mit zwei Fragezeichen im Titel, das habe ich schon lange nicht mehr gesehen: „Wirft Nehammer frustriert hin? Kommt Kurz im Herbst zurück?“ Von einem „Horror-Gerücht“ ist die Rede, zitiert wird ein „hochrangiger ÖVP-Grande“. Kurzversion: Nehammer wirft hin, seinen angesäuselten Bodyguards würde das wohl nicht einmal auffallen, Sebastian Kurz kommt zurück, eine richtige „Auferstehung“ sei geplant (siehe Bobby Ewing), freilich aber wäre Kurz „beschädigt“ (siehe Murdoc). Am Sonntag schrieb dieser Chef des periodisch erscheinenden Druckwerks: „Weder Karoline Edtstadler noch Elisabeth Köstinger hätten derzeit eine Mehrheit in der Partei.“

Nur zwei Tage später haben sich diese Mehrheitsverhältnisse in der ÖVP völlig verändert. Das gleiche Blatt schrieb heute: „Kurz dementiert Comeback. Kommt Edtstadler?“ Kurz sitzt nicht heimlich im Bundeskanzleramt, er hält auf dem Parteitag der ÖVP lediglich eine Rede. Und so ist zu lesen: „Die logische Nachfolgerin ist eindeutig Karoline Edtstadler.“ Eindeutig nämlich. Zwei Dinge lernen wir daraus: Auch die Zustände in diesem Medienhaus wären eine eigene Netflix-Serie wert (schade, dass Klaus Kinski nicht mehr lebt). Und: Dass nach all den Vorkommnissen (Inseraten-Affäre, Schmid-Chats, Pfau-Studien usw.) ein Kurz-Comeback überhaupt diskutiert werden kann, wäre in den meisten Ländern wohl völlig undenkbar. So ein unrealistischer Schmarren, nicht wahr? Warten wir einmal die ganze Staffel ab.

Ich wünsche einen schönen Feierabend, so Sie einen haben.

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