16.04.2021 05:00 |

Impfen

Kleiner Piks, große Panik

Wie Betroffene ihre Angst davor in den Griff bekommen. Manchmal reichen Entspannungsübungen, mitunter ist therapeutische Hilfe vonnöten.

Denkt man an eine Nadel, bereitet das wohl den wenigsten Menschen ein angenehmes Gefühl. Auch ein Besuch beim Arzt ist nicht jedermanns Sache. Bei manchen geht es jedoch so weit, dass sie eine Phobie, also unangemessen starke Furcht vor bestimmten Situationen oder Objekten, entwickeln. In Bezug auf Impfungen sind drei verschiedene Ängste zu unterscheiden, erklärt die Psychotherapeutin Prof. Dr. Monika Wogrolly: „Manche Betroffene fürchten sich vor der Injektion/ dem Stich, andere vor Nadeln/spitzen Gegenständen und wieder andere vor dem Impfstoff, weil etwas Fremdes in ihren Körper gelangt.“ Allen gemeinsam ist aber, dass es gute Möglichkeiten gibt, wieder aus der Angstspirale auszusteigen.

Bauchatmung lindert die Furcht vor dem Einstich
Wer meint, dass er sein Verhalten noch selbst in den Griff bekommen kann, versucht es am besten mit Entspannungsverfahren: „Gut wirkt etwa die sogenannte Bauchatmung, die kurz vor dem Piks bewusst angewendet wird. Beim Einatmen am besten an eine Blume denken, an der man riecht - so stimmt das Tempo. Beim Ausatmen stellt man sich vor, einen Löffel mit heißer Suppe zu blasen. Dreimal wiederholen, dann stellt sich ein Entspannungszustand ein, beziehungsweise wird verhindert, vor Aufregung flach in die Brust zu atmen und dann die Panik richtig aufzubauen. Der Betroffene geht angenehmer in die Angst besetzte Situation“, beschreibt die Expertin.

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30 Sekunden auf jene Stelle am Arm drücken, an der gleich geimpft wird.

Prof. Dr. Monika Wogrolly, Psychotherapeutin

Wichtig ist, auch loslassen zu lernen, und der Person, die impft, Vertrauen zu schenken. „Ähnlich wie im Zug. Auf den Lokführer müssen wir uns ja auch vollends verlassen, wenn wir einsteigen.“ Diese Einstellung entspannt und macht weniger schmerzempfindlich. Hat sich die Angst jedoch zu einer Phobie entwickelt und wird immer schlimmer, rät die Expertin, professionelle Hilfe (Psychotherapeut, Psychologe) in Anspruch zu nehmen. Es gibt mehrere Behandlungsmethoden: Bei der „Hypnotherapie“ wird der Klient in einen Trancezustand versetzt. Das hat nichts mit Showhypnose zu tun. Er kann sich danach an alles erinnern.

Traumata stammen oft aus der Kindheit
„Die Furcht vor einer Impfung stammt oft aus der Kindheit - viele Erwachsene haben sich damals hilflos und dem Kinderarzt ausgeliefert gefühlt, als sie ein ,Jaukerl‘ bekommen haben. Dieses Trauma wird dann tief im Inneren gespeichert und vor jedem Piks reaktiviert. Oft steckt auch ein Unwohlsein vor Autonomieverlust dahinter. Während der Hypnose helfe ich dem Patienten, diese Ängste zu entschärfen, indem wir sie gemeinsam in selbstbewusste, erwachsene Gedanken umwandeln. Vor der nächsten Stresssituation kann der Betroffene dann positive Stehsätze wie ,einen Lichtschalter anknipsen‘. ,Ich freue mich, nach der Impfung geschützt zu sein‘, kann ein solcher möglicher Gedanke lauten“, schildert Dr. Wogrolly. Eine andere Möglichkeit ist Verhaltenstherapie. „Der Klient lernt, die Angst zwar wahrzunehmen, sich aber davon abzulenken, indem er fokussiert an seine Belohnung (etwa ein Spaziergang) nach der Impfung denkt“, erklärt die Expertin. Bewährt hat sich auch die narrative Methode. „Die Person schämt sich ja meist für ihre Furcht. In der Therapie hat sie genügend Zeit, sich ihre Probleme von der Seele zu reden.“

Luftanhalten lindert den Schmerz

Wer kurz vor der Injektion kräftig einatmet und dann die Luft bis zum Einstich anhält, spürt den Piks nicht so stark. Das haben Wissenschafter der spanischen Universität Jaén herausgefunden. Wie aber funktionierte das genau? Während die Testpersonen die Luft anhielten, stieg deren Blutdruck, die Herzfrequenz sank hingegen. In der Folge reduzierte das Gehirn die Schmerzwahrnehmung. Wer also einen absehbaren Schmerz erwartet, ist mit dieser Technik gut beraten.

Monika Kotasek-Rissel
Monika Kotasek-Rissel
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