13.09.2020 17:39 |

Frauen im Visier

Hunderte Festnahmen bei Protesten in Weißrussland

Noch immer regt sich in Weißrussland Widerstand gegen den autoritären Staatschef Alexander Lukaschenko - am Wochenende gingen 150.000 Menschen auf die Straße, um gegen das Regime zu protestieren. Dabei kam es auch zu zahlreichen Verhaftungen: Es wurden Hunderte Demonstranten festgenommen. In der Hauptstadt Minsk waren Polizei und Armee im Einsatz. Es wurde gezielt gegen Frauen vorgegangen.

Am Samstag gingen Zehntausende Frauen auf die Straße, um gegen das Regime zu protestieren. Wie das Innenministerium berichtete, wurden 114 Menschen festgenommen, 87 landeten im Gefängnis. Dem Menschenrechtszentrum Wesna zufolge, das viele Festgenommene mit Namen auflistete, sind überwiegend Frauen in Polizeigewahrsam genommen worden. Teilweise waren die Sicherheitskräfte hart gegen Demonstrantinnen vorgegangen.

250 Festnahmen bei Demos am Sonntag
Die Opposition hatte zu neuen Massenprotesten aufgerufen, dabei kam es zu 250 Festnahmen. Die Menschen seien wegen Teilnahme an einer nicht genehmigten Massenveranstaltung und wegen des Tragens unerlaubter Symbole in Gewahrsam gekommen, hieß es. Viele Menschen trugen die historische weiß-rot-weiße Flagge von Weißrussland, die zu einem Wahrzeichen der Demokratiebewegung geworden ist.

Mobiles Internet abgeschaltet
Das mobile Internet wurde abgeschaltet, damit sich die Protestierenden nicht über die Demonstrationsroute verständigen konnten. Metrostationen und Unterführungen waren gesperrt. Der Platz der Unabhängigkeit war von Uniformierten umstellt und mit Metallgittern abgeriegelt, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur berichtete. Am Palast der Republik im Stadtzentrum zogen Uniformierte auch Stacheldraht an den Metallgittern auf.

Hauptstadt glich einer Festung
In vielen Seitenstraßen standen Gefangenentransporter und Sicherheitskräfte. Bei der fünften großen Sonntagsdemonstration seit der umstrittenen Präsidentenwahl am 9. August glich die Hauptstadt der Ex-Sowjetrepublik einer Festung. Die Demokratiebewegung rief diesmal zu einem „Marsch der Helden“ auf, der auch der inhaftierten Oppositionsführerin Maria Kolesnikowa gewidmet sein sollte. Bei früheren Demonstrationen hatten Hunderttausende Lukaschenkos Rücktritt gefordert.

In Weißrussland kommt es seit der Präsidentenwahl vor genau fünf Wochen täglich zu Protesten. Lukaschenko beansprucht den Wahlsieg mit mehr als 80 Prozent der Stimmen für sich. Die Opposition hält dagegen Swetlana Tichanowskaja für die wahre Gewinnerin. Die Wahl steht international wegen grober Fälschung in der Kritik.

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