Die Vorfreude bei Carlo Ancelotti auf seine WM-Premiere war groß gewesen, nach dem 1:1 Brasiliens gegen Marokko hielt sie sich freilich in Grenzen. Der Italiener weiß, dass die Ansprüche im Land des Rekordweltmeisters andere sind, entschuldigte sich daher öffentlich bei den Fans der Selecao.
„Es tut mir leid, dass wir nicht so gut gespielt haben wie erhofft“, wirkte Ancelotti reumütig. Die 67-jährige Trainerlegende hatte das wohl schwierigste Teamchefamt der Welt erst im letzten Sommer übernommen, nachdem Brasilien in der WM-Qualifikation bis dahin enttäuscht hatte. Wunderdinge durfte man sich in der kurzen Zeit von ihm eigentlich nicht erwarten, genau ein solches ist es jedoch, wofür er in den Augen vieler heimischer Anhänger geholt wurde. Bei einer WM zählt in Brasilien einfach nur der Titel.
Von einer weltmeisterlichen Darbietung war die Selecao gegen Marokko jedoch wie schon in den letzten Monaten eben weit entfernt. Nur eine Einzelaktion von Vinicius junior bewahrte Brasilien vor einer Niederlage. „Wir müssen besser werden. Das ist ganz klar“, nahm sich Ancelotti denn auch kein Blatt vor den Mund. „Wir müssen als Mannschaft besser ausbalanciert und aggressiver sein. Ich bin nicht enttäuscht, aber auch nicht zufrieden.“
Aktuell zu hohe Ansprüche
Natürlich war es nur das erste Match und selbst bei früheren Titelgewinnen hatte Brasilien zum Turnierstart nicht immer geglänzt, zumal diesmal mit Marokko ein unangenehmer Auftaktgegner gewartet hatte. Aber der Anspruch des Rekordweltmeisters ist es eben, solche Mannschaften zu schlagen. Allerdings stellt sich die Frage, ob die Südamerikaner nicht akzeptieren müssen, dass die aktuelle Auswahl eben nicht die Klasse vergangener Jahre hatte.
In der Rückwärtsbewegung und im Mittelfeld hatte Brasilien gegen Marokko klare Schwächen offenbart. Der 34-jährige Casemiro, der bei Manchester United eigentlich eine gute Saison gespielt hatte, wurde nach einer enttäuschenden ersten Hälfte zur Pause ausgetauscht. Doch auch danach glänzte Brasilien nicht. „Nicht alles klappt perfekt“, weiß Ancelotti freilich aus seiner langen Trainerkarriere. „Aber dann muss man auch Kritik akzeptieren.“
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