10.07.2020 11:24 |

Verluste für Regierung

Vertrauensindex: Van der Bellen überholt Kurz

Erneute Wachablöse im aktuellen APA/OGM-Vertrauensindex: Bundespräsident Alexander Van der Bellen holt sich die Spitzenposition, die er im März an Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) verloren hatte, wieder zurück. Kurz liegt nunmehr auf Platz zwei, gleichauf mit dem grünen Gesundheitsminister Rudolf Anschober.

Praktisch alle Politiker verlieren seit der letzten Befragung Ende März/Anfang April an Vertrauen - am meisten jene, die im Zuge ihrer dauerhaften Medienpräsenz zu Beginn des Lockdowns hochgeschnellt sind. „Die Vertrauenswerte normalisieren sich langsam wieder“, kommentierte OGM-Chef Wolfgang Bachmayer die aktuellen Ergebnisse.

Regierung verliert gegenüber Lockdown-Werten, Präsident legt zu
Kurz verlor im Vergleich zur letzten Befragung 13 Punkte und liegt jetzt mit einem Saldo von 38 Punkten (68 Prozent vertrauen ihm, 30 Prozent nicht) gleichauf mit Anschober, der elf Punkte einbüßte (61 Prozent vertrauen ihm, 23 Prozent nicht). Beide wurden wieder von Bundespräsident Van der Bellen überholt, der im Saldo um einen auf 43 Punkte zulegen konnte.

Vergleich: Die Rankings vom März und Jänner

Einbußen im Gleichschritt für Türkis und Grün
Auch die anderen im Zuge des Lockdowns sehr oft in den Medien präsenten Politiker haben nun wieder Vertrauen in der Bevölkerung eingebüßt. So stürzte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) um 13 auf nunmehr 16 Punkte ab, Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) sowie Finanzminister Gernot Blümel und Bildungsminister Heinz Faßmann (beide ÖVP) um jeweils neun Punkte. Kogler liegt nun auf Platz vier mit einem Saldo von 27 Punkten vor Faßmann mit 25, Blümel ist mit zehn Punkten nur Zwölfter.

„Totalabsturz“ für Tanner
Einen „Totalabsturz“ ortete Bachmayer für Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP). Sie verlor im Vergleich zu Ende März/Anfang April nicht weniger als 21 Punkte und hält nun bei einem negativen Saldo von 22 Punkten. Bachmayer führt das darauf zurück, dass sie „vor und während der Erhebung nahezu täglich negative Schlagzeilen lieferte“ sowie dass ihr „ein guter Teil der ÖVP-Wähler nicht mehr das Vertrauen aussprach“.

Nur geringe Veränderungen brachte der Vertrauensindex bei jenen Regierungsmitgliedern, die im Zuge der Krise nicht vorne standen - Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne), Frauenministerin Susanne Raab, Europaministerin Karoline Edtstadler, Arbeitsministerin Christine Aschbacher und Außenminister Alexander Schallenberg (alle ÖVP).

Kaum Bewegung bei Opposition, FPÖ-Duo weit abgeschlagen
Wenig Veränderungen gab es auch bei der Opposition: Den größten Zuwachs (plus vier Punkte) schaffte SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner, sie liegt aber mit minus acht Punkten noch immer im negativen Bereich mit ihrem Saldo. Relativ stabil blieben auch NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger (minus zwei auf plus acht Punkte) sowie die beiden FPÖ-Spitzen Norbert Hofer und Herbert Kickl, die mit einem Saldo von minus 34 bzw. minus 47 weiterhin das Schlusslicht im Ranking bilden.

Für den Vertrauensindex wurden am 7. und 8. Juli 800 repräsentativ ausgewählte Wahlberechtigte aus dem OGM-Online-Panel befragt, ob sie den einzelnen Politikern vertrauen oder nicht. Einen Absturz von Kurz hatte Anfang der Woche auch bereits ein Ranking von Unique Research für die Gratiszeitung „Heute“ gebracht. Auch bei dieser Befragung nach positiv oder negativ aufgefallenen Politikern hatte der Bundeskanzler seine Spitzenposition verloren - hier an Anschober.

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