Vier Männer, ein Plan, eine lange Reise für schnelles Geld: Ein Quartett aus Chile hatte sich zu einer Einbruchstour durch Europa aufgemacht. Am Landesgericht Feldkirch hagelte es nun Haftstrafen.
Bei den chilenischen Einbrechern handelt es sich um einen Studenten, einen Marketing-Absolventen mit eigenem Parfümgeschäft, einen Immobilienmakler und einen Unternehmer mit eigener Transportfirma. Von finanzieller Not jedenfalls keine Spur. Ihre Ausreden für die kriminelle Europatour? Bunt gemischt und wenig glaubwürdig. Zwei gaben immerhin zu, gezielt für Einbrüche angereist zu sein. Ein anderer wollte angeblich nur „Europa kennenlernen“, sein Kumpel behauptete steif und fest, er habe sich Arbeit suchen wollen. Staatsanwalt Elias Zortea ließ sich davon nicht beeindrucken.
Überaus professionelle Vorgehensweise
Die Vorgehensweise bei mindestens zehn nachgewiesenen Einbrüchen in Salzburg, Tirol und Vorarlberg war stets dieselbe – Unterkunft mieten, Objekte auskundschaften, Werkzeug im Bauhaus besorgen, in der Nacht zuschlagen. Seitenschneider, Brechstange, Handschuhe – professionelles Einbrecher-Handwerkszeug, von der Polizei fein säuberlich sichergestellt. Die Rollenverteilung war ebenfalls eingespielt: Einer gab den Chauffeur, einer den Aufpasser, zwei stiegen in das Objekt ein. Die Beweislast ist erdrückend – DNA-Spuren, Fußabdrücke, GPS-Daten, Fotos von Beute und Tatorten. Derart erdrückend, dass den vier Männern am Ende gar nichts anderes übrig blieb, als die Taten zu gestehen.
Und plötzlich eine spirituelle Erleuchtung
Seit Dezember sitzen die vier Ganoven bereits in U-Haft – und plötzlich meldete sich bei einem von ihnen das schlechte Gewissen in spiritueller Form. Der 26-Jährige will hinter Gittern eine Erscheinung Gottes gehabt haben. Unter Tränen gibt er im Prozess an: „Ich stehe jeden Tag um sechs Uhr auf, um die Bibel zu lesen.“ Nun sei er geläutert und wolle seine Erfahrung an Jugendliche in Chile weitergeben und ihnen Gott näherbringen. Reue, die reichlich spät kommt – schließlich zogen die Männer ihre Touren sogar fort, nachdem sie bereits einmal beobachtet worden waren. In Vorarlberg traf es drei Wohnstätten, zwei in Bregenz, eine in Lochau. Insgesamt soll die Bande 56.000 Euro Beute gemacht haben – innerhalb eines einzigen Monats. Festgenommen wurden sie schließlich in Tirol.
Opfer: „Die hatten alle Schränke aufgerissen“
Wie es sich anfühlt, plötzlich Einbrechern gegenüberzustehen, schildert Opfer Judith Nachbaur aus Bregenz im Gespräch mit der „Krone“: „Es war der 19. November. Ich kam gegen 20 Uhr nach Hause. Weil ich ein wenig Licht in der Wohnung sah, dachte ich, dass mein Mann schon früher zu Hause ist.“ Doch statt ihres Mannes standen zwei schwarz gekleidete Gestalten in ihrer Wohnung. „Einer drehte sich dann zu mir um. Und als ich ‘Hey!‘ schrie, ergriffen beide über die Terrassentür die Flucht.“ Danach folgte der nächste Schock: „Die hatten alle Schränke aufgerissen, Schubladen und Gegenstände lagen am Boden.“ Schmuck und Geld im Wert von 800 Euro waren weg.
Für ihre kriminelle Tour durch Österreich kassierten die vier Chilenen drei Jahre, dreieinhalb Jahre, drei Jahre und acht Monate sowie fünf Jahre Haft. Dem Staatsanwalt ist das zu wenig – die Urteile sind daher noch nicht rechtskräftig.
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