Kein Platz mehr!

Pendler wurden am Bahnsteig zurückgelassen

Niederösterreich
18.07.2026 06:00

Immer wieder kommt es zu Stoßzeiten am Abend zu überfüllten Pendlerzügen nach Payerbach-Reichenau (Niederösterreich). Eine Pendlerin erlebte gestern zum ersten Mal, dass zahlreiche Menschen einfach am Bahnsteig Meidling zurückgelassen wurden. Die ÖBB verweist auf „Kinderkrankheiten“ der neuen Zuggarnituren. 

So schlimm wie gestern war es noch nie“, sagt Pendlerin Berta H., die täglich von St. Egyden, Bezirk Neunkirchen, nach Wien-Meidling fährt. Was sie am Dienstagabend erlebte, brachte das Fass für sie endgültig zum Überlaufen. „Zum ersten Mal habe ich erlebt, dass zahlreiche Menschen gar nicht mehr in den Zug gekommen sind, weil er hoffnungslos überfüllt war“, erzählt sie. Sie selbst habe sich nur mit Mühe und viel Gedränge noch in den Waggon quetschen können. „Drinnen war es drückend heiß. Ein Körper klebte am anderen.“

Durchsage klang für genervte Pendler „wie ein Hohn“
Die Hoffnung auf Entspannung in Baden erfüllte sich nicht. Zwar stiegen dort viele Fahrgäste aus, doch gleichzeitig drängten wieder zahlreiche Menschen in den Zug. „Er war danach immer noch völlig überfüllt. Man stand Schulter an Schulter.“ Erst in Wiener Neustadt bekam die Pendlerin – für die letzten fünf Minuten ihrer Fahrt – doch noch einen Sitzplatz.

Die Durchsage des Zugbegleiters klang für sie wie ein Hohn. Dieser wies die Fahrgäste freundlich darauf hin, dass man heute mit einer wesentlich kleineren Zuggarnitur unterwegs sei, da die neuen Garnituren noch an Kinderkrankheiten leiden. „Wir bitten die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen“, heißt es dann noch.

Überfüllte Züge seien auf dieser Strecke längst keine Ausnahme mehr, so die genervte Pendlerin. Vor allem zwischen 17 und 19 Uhr sei es oft kaum möglich, einzusteigen. „Warum hängt man zu den Stoßzeiten nicht einfach einen zusätzlichen Waggon an?“, fragt sie – eine Lösung, die aus ihrer Sicht längst überfällig wäre.

Zitat Icon

Unser Anspruch ist es, die Auswirkungen für Fahrgäste möglichst gering zu halten. Für etwaige Unannehmlichkeiten bitten wir um Entschuldigung.

Klaus Wesp-Baumgartner, Pressesprecher ÖBB

Bei den ÖBB ist man um rasche Behebung von Fehlern bemüht
Die ÖBB bestätigt diesen Vorfall. „Aufgrund einer Fahrzeugstörung zum kurzfristigen Einsatz einer anderen Garnitur mit reduzierter Sitzplatzanzahl“, so Pressesprecher Klaus Wesp-Baumgartner. „Fahrgäste, die nicht mehr in diesen Zug einsteigen konnten, hatten um 17:33 Uhr die nächste Möglichkeit, von Wien Meidling nach Payerbach-Reichenau zu kommen“.

Und: „Neue Fahrzeuge wie der Cityjet Doppelstock werden vor ihrem Einsatz umfassend getestet. Dennoch ist es unser Anspruch, die Auswirkungen für Fahrgäste möglichst gering zu halten.“

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