Wogen gehen hoch

Heftige Debatten um Anschlagsserie in 70er-Jahren

Kärnten
24.05.2010 11:30
Rund um das Kapitel der Bombenanschläge in den 70er-Jahren in Südkärnten gehen derzeit die Wogen hoch. Öffentlich wird die Beteiligung von Kärntner Slowenen an den Anschlägen debattiert, die Landespolitik mischt in der Diskussion ebenfalls heftig mit und löst damit wiederum Gegenreaktionen in Slowenien aus.

Als echter "Aufreger" entpuppte sich in Kärnten das Auftauchen des Namen "Dr. Grilc" in Unterlagen des jugoslawischen Geheimdienstes. Sofort wurde Matthäus Grilc, langjähriger Obmann des Rates der Kärntner Slowenen, hinter dem Namen vermutet. FPK-Landtagsabgeordneter Manfred Stromberger machte Grilc gleich für Anschläge auf mehrere slowenische Denkmäler mitverantwortlich. Darüber hinaus forderte er die Vereinsbehörde auf, den Rat der Kärntner Slowenen aufzulösen. Grilc wies eine Beteiligung an Anschlägen heftig zurück.

Aber auch die ÖVP meldete sich rasch zu Wort. Klubobmann Stephan Tauschitz meinte, man "werde sich nicht mit Leuten zusammensetzen, die damals mit dem jugoslawischen Geheimdienst kooperiert haben." Im Kärntner Landtag wurde schlussendlich auf Antrag der FPK einstimmig die lückenlose Aufklärung der Vorfälle in den 70er-Jahren gefordert. Zuletzt hatte FPK-Klubobann Kurt Scheuch gefordert, die Ortstafelfrage bis zur Aufklärung der Anschläge "auf Eis" zu legen.

FPK-Ansagen sorgen für Aufregung in Slowenien 
In Slowenien sorgten die Ansagen der FPK wiederum für große Aufregung. Die Koalitionspartei "Zares" forderte, dass die slowenische Regierung auf den "unzulässigen politischen Druck", der auf die Volksgruppenorganisation ausgeübt werde, reagieren und Österreich zum Schutz der slowenischen Minderheit in Kärnten auffordern müsse. 

Der slowenische Botschafter in Wien, Aleksander Gerzina, deutete an, dass Slowenien die Angelegenheit auch "vor andere Foren, die sich mit dem Schutz von Menschenrechten befassen" bringen könne. Die FPK sollte darauf hingewiesen werden, "dass dies nicht die 1930er- oder 1940er-Jahre sind, sondern dass wir im 21. Jahrhundert leben", sagte Gerzina.

Zeithistoriker warnt vor Dramatisierungen
Valentin Sima, Zeithistoriker an der Universität Klagenfurt, warnt indes auch vor Dramatisierungen in der öffentlichen Debatte. Er hält zwar eine Involvierung von Kärntner Slowenen für relativ plausibel, "name-dropping" zu betreiben halte er aber für "unseriös". So lasse sich die Frage, ob die Aktionen in Kärnten im damaligen Jugoslawien zentral gesteuert worden waren oder ein Alleingang der UDBA in Maribor gewesen seien, aufgrund der im Moment zur Verfügung stehenden Quellen nicht seriös beantworten.

Zudem sei auch auf Geheimdienstaktivitäten Österreichs oder auch des deutschen BND zu verweisen. Die beiden gefassten Attentäter von Völkermarkt etwa sind nach ihrer Verurteilung in Österreich relativ rasch gegen Personen ausgetauscht worden, die in Jugoslawien unter Verdacht geheimdienstlicher Aktivitäten festgehalten worden waren. "Das deutet sowohl auf entsprechende wechselseitige Geheimdienstaktivitäten hin als auch auf den Wunsch beider Staaten, sich anzunähern und Störungen hintanzuhalten", so Sima.

Tagespolitisches Thema in Österreich und Slowenien
Der slowenische Minister für die Auslandsslowenen, Bostjan Zeks, zeigte sich inzwischen besorgt darüber, dass die Anschläge aus den 70er-Jahren für tagespolitische Themen sowohl in Slowenien als auch in Österreich ausgenutzt werden. Laut Zeks besteht kein Zweifel daran, dass Geheimdienste aus verschiedenen Ländern mit den damaligen Ereignissen zu tun hatten, da sich in Österreich als Folge des Kalten Krieges viele Interessen gekreuzt hätten. 

"Die slowenische Volksgruppe in Kärnten war damals ein Opfer dieser Politik, ebenso ist sie heute nur ein Opfer des politischen Punktesammelns", so der Minister. Die jetzige Verbindung der Minderheit mit den Anschlägen sei "verantwortungslos" und bedeute eine Ablenkung der Aufmerksamkeit weg von den eigentlichen offenen Minderheitsfragen, kritisierte er.

Anschlagsserie in den 70er-Jahren
In den 70er-Jahren waren in Kärnten nach dem sogenannten Ortstafelsturm zahlreiche Anschläge verübt worden. Sie reichten von Sprengungen von Abwehrkämpferdenkmälern oder einem Anschlag auf ein Partisanendenkmal bis hin zur Sprengung eines Strommastens. Schlusspunkt der Serie war ein Bombenattentat auf das Heimatmuseum in Völkermarkt im Jahr 1979, bei dem zwei Attentäter und ein Museumskustos verletzt wurden.

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