Während Bildungsminister Christoph Wiederkehr mit seinem ambitionierten „Plan Zukunft“ das Schulsystem reformieren will, steigt die Lehrergewerkschaft auf die Barrikaden. Und mittendrin: die SPÖ.
Der Konflikt zwischen Bildungsminister und der Lehrergewerkschaft reist nicht ab: Einmal mehr blies die AHS-Gewerkschaft zum Angriff gegen die Reformpläne von Minister Christoph Wiederkehr. Denn laut Herbert Weiß (FCG) sollte sich die Regierung mehr auf die Kindergärten konzentrieren, anstatt sich „mit Dingen zu beschäftigen, wo es eigentlich keine Probleme gibt – Stichwort KI statt Latein“. Wenn man nicht früh genug anfange, helfe alles nachträgliche „Herumdoktern“ nichts. Nur einen Tag später präsentierte die Regierung das nächste Doppelbudget, das unter anderem das zweite verpflichtende Kindergartenjahr vorsieht.
Generell gesehen ist der „Plan Zukunft“, den Wiederkehr als „Vision und Leitstern“ sowie als „konkrete Handlungsanweisung für Bildungsreformen“ bezeichnete, sehr ambitioniert. Darin zu finden sind auch Maßnahmen, die wohl kaum mit dem Koalitionspartner ÖVP, die sich selbst als Beschützer des Gymnasiums versteht, umzusetzen sind. Unter anderem eine sechsjährige Volksschule oder neue Fächer für die AHS-Unterstufe. Denn dafür müssten andere Fächer gekürzt werden, und da hat es ja bereits in Sachen Latein Widerstand von der ÖVP-Lehrergewerkschaft gegeben. Die Stimmung zwischen ihnen und dem pinken Minister ist seit Monaten angespannt.
Rote Zustimmung für beide Seiten
Zwischen den Stühlen stehen unterdessen die Sozialdemokraten. Denn einerseits fordern die Roten seit Jahren Reformen im Bildungssystem – etwa was die Gesamtschule angeht. Andererseits gilt die SPÖ als „Gewerkschafter-Partei“ und betont stets die Wichtigkeit der Arbeitnehmervertreter. Der SPÖ-Bildungssprecher ist aber froh, „dass zumindest einmal Stühle da stehen – in der vergangenen Periode gab es ja gar keine Reformen in diesem Bereich“, so Heinrich Himmer, der selbst in der SPÖ-Gewerkschaft sozialisiert wurde und seit 2016 Mitglied im Vorstand der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst sowie der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter ist.
Im „Krone“-Gespräch bestärkt er den pinken Minister zwar, wenn es um seine Vision für eine sechsjährige Volksschule, Inklusion im Unterricht oder die Verbesserung der Lehrerinnenausbildung geht. Gleichzeitig sieht er eine starke Sozialpartnerschaft aber als „Bereicherung“ an. „Man darf nicht einfach sagen, die Gewerkschaft würde alles nur blockieren, sondern man muss sie frühzeitig ins Boot holen“. Auch wenn diese von Beginn an eine kritische Haltung hätte. „Weil dann gut Gemeintes und Sinnvolles in den Hintergrund gerät und das wäre schade.“ Wiederkehr solle andererseits aber auch nicht beim ersten Gegenwind einknicken und neben Ankündigungen auch ins Tun kommen.
Eine zeitnahe Umsetzung sieht Himmer aber auch als unrealistisch: „Ich gehe eher von den nächsten fünf bis zehn Jahren aus, aber das ist mir lieber, als wenn es nie kommt oder als Schnellschuss endet, der nach hinten losgeht.“
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