So, 16. Juni 2019
31.05.2019 06:04

Moderne HIV-Therapie

Nur eine Tablette pro Tag

HIV-positiv und garantiert nicht ansteckend: Ein 45-jährigerWiener berichtet über seine erfolgreiche Behandlung, weshalb der Alltag trotz nicht mehr nachweisbarer Viruslast schwierig ist und ruft zu mehr Solidarität auf.

„Obwohl ich niemanden anstecken kann und sehr gesund lebe, bin ich immer irgendwie exponiert, fühle mich aussätzig. Nicht nur im Berufsleben, sondern auch bei ganz normalen Arztbesuchen“, schildert Markus Fleck im Gespräch mit „Krone Gesund“ bei einem gemütlichen Kaffee in der Redaktion. Der Wahlkärntner ist auf Besuch in seiner Geburtsstadt Wien bei seiner Familie und spontan bereit, offen und ehrlich über seine HIV-Infektion zu sprechen. Sein Fazit: „Diskrimnierung passiert meist aus Unwissenheit.“

Offener Umgang mit der Erkrankung
Ein Schritt an die Öffentlichkeit, der viel Mut und Selbstbewusstsein erfordert, denn die Ängste in der Gesellschaft in Zusammenhang mit Betroffenen konnten noch nicht ausgeräumt werden. Dabei sind die Behandlungsstrategien mittlerweile derart gut, dass mit nur einer täglichen Medikamenteneinnahme Vollständige Remission erreicht werden kann. Auch bei Markus vermag im Blut kein HI-Virus mehr nachgewiesen, eine Weitergabe damit restlos ausgeschlossen zu werden. „Ich habe mit der Therapie 2011 begonnen und vertrage sie sehr gut. Dabei ist es mir besonders wichtig, alle Kontrolltermine einzuhalten und mit meinen Ärzten gut zusammenzuarbeiten In dieser Hinsicht fühle ich mich optimal betreut.“ Probleme gibt es dafür bisweilen bei anderen medizinischen Interventionen, etwa beim Zahnarztbesuch oder beim HNO-Arzt. Ein Internist verweigerte eine Untersuchung sogar ganz! Hier wünscht sich Markus Fleck einen professionelleren Umgang mit dem Thema HIV. Um Ehrlichkeit und Fairness bemüht, trägt er seinen aktuellen Befund immer bei sich. „Die Menschen bitte ich, sorgsam, aber nicht unnötig ängstlich mit ihrem und dem Leben der Anderen umzugehen. Von den Ärzten wünsche ich mir, dass sie sich informieren und dementsprechend behandeln.“

Es ist noch keine Heilung möglich
Der medizinische Fortschritt hat aber seine Tücken, denn HIV/Aids ist nach wie nicht heilbar, sondern zu einem chronischen Leiden geworden, mit dem man umgehen lernen muss. So plädiert Markus Fleck vehement für „safer Sex“, also den Gebrauch von Kondomen und dafür, die Gefahr keinesfalls zu unterschätzen. Eine langjährige Partnerschaft zerbrach. In seinem Beruf als Kellner kann er derzeit auch nicht mehr Fuß fassen. Aber den Weg zu sich selbst hat der sympathische Wiener bereits gefunden. Bei langen Waldspaziergängen sowie in der Natur findet er Zeit zum Nachdenken und Durchatmen. Experten warnen vor Verharmlosung und Fahrlässigkeit. Das wurde auch im Zusammenhang mit der Diskussion um die Beendigung des Life Ball, der wie keine andere Veranstaltung für Toleranz und Spendenbereitschaft steht, hervorgehoben. Das Argument von Sponsoren, sich zurückzuziehen, weil die Krankheit mittlerweile so gut behandelbar ist, berücksichtigt nicht den Aspekt der Aufklärung und Statuserhebung. Zudem hat nicht jeder Patient Zugang zu allen Therapieoptionen. HIV-positive Menschen verletzt vor allem das „soziale Aids“, die Diskriminierung, Ausgrenzung und das Schweigen. „Es wird im Alltag einfach nicht darüber gesprochen. Und wenn, meistens negativ. Hin und wieder überlege ich schon, ob ich nicht verschweigen soll, dass ich mit HIV leben muss, damit ich so behandelt werde wie alle anderen Menschen. Doch das tue ich sicher nicht! Mut machen und in die Zukunft blicken. Stattdessen hoffe ich auf Verständnis durch vermehrte Information, die jedem zugänglich ist. Vielleicht kann ich ja ein wenig dazu beitragen und anderen Mut machen. Wir sind bezüglich HIV in einem neuen Zeitalter angekommen. Ein gesellschaftliches Umdenken ist daher mehr als angebracht!“

Übrigens sollte jeder seinen Status kennen. Je früher mit einer Therapie begonnen wird, umso besser die Erfolgschancen. Gratis Testungen werden etwa von den Aids-Hilfen oder im Zuge der heurigen Euro-Pride angeboten.

Karin Podolak, Kronen Zeitung

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