04.02.2019 08:46 |

Wifo-Studie:

Digitalisierung bringt unterm Strich mehr Jobs

Durch die zunehmende Digitalisierung gehen zwar Arbeitsplätze verloren, unterm Strich führt sie aber zu mehr Beschäftigung - zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Wifo-Studie und verweist dabei auf die Erfahrungen der vergangenen Jahre. „Die Angst vor grausamen Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt scheint insgesamt bisher unbegründet“, sagt Studienautor Matthias Firgo.

Die Grundstimmung in Bezug auf die Beschäftigungseffekte der Digitalisierung sei stark getrieben durch Studien, die sich ausschließlich dem Verdrängungspotenzial durch Automatisierung und Digitalisierung widmen und zum Teil dramatische Beschäftigungsverluste vorhersagen. Diese Studien hätten aber große Schwächen, kritisieren die Wifo-Ökonomen, vor allem weil sie potenziell positive Auswirkungen auf die Nachfrage und auf die Wettbewerbsfähigkeit durch Produktivitätsgewinne, neue Produkte und Märkte ganz außer Acht lassen würden.

Keine bis positive Effekte durch Digitalisierung
Wenn man sich ansehe, wie sich die Digitalisierung in der Vergangenheit tatsächlich ausgewirkt habe, komme man zu einem ganz anderen Befund: Knapp die Hälfte der dazu veröffentlichten Studien stelle signifikante positive Effekte auf die Beschäftigung fest, viele weitere würden keine signifikanten Wirkungen finden. „Ergebnisse, die signifikant negative digitalisierungsbedingte Effekte auf den Arbeitsmarkt orten, bleiben bislang klar in der Minderheit“, so die Studienautoren.

Positive Katalysatoreffekte für die lokale Wirtschaft gehen vor allem von den IKT-produzierenden Wirtschaftsbereichen (Informations- und Kommunikationstechnik) aus, haben die Wirtschaftsforscher herausgefunden. „Im Durchschnitt wäre eine Verdoppelung des Anteils von IKT-produzierenden Branchen in einer Region mit einem Anstieg der Beschäftigung um zwei Prozent verbunden. „Eine Erhöhung des Anteils von IKT-Fachkräften um einen Prozentpunkt wird die regionale Beschäftigung im Schnitt um ungefähr vier Prozent erhöhen“, so Firgo.

Mehr Bandbreite, mehr Wachstum
Als einen weiteren Maßstab haben die Wifo-Forscher die durchschnittlichen Download-Übertragungsgeschwindigkeiten in den Gemeinden herangezogen und sich dabei an den RTR-Netztest gehalten. Untersucht wurde der Zeitraum 2014 bis 2016. Das Ergebnis: „Gemeinden, die 2014 eine höhere Bandbreite gehabt haben, haben auch höhere Wachstumsraten bei der Beschäftigung gehabt.“ Dabei habe man auch andere Gründe für Unterschiede beim Beschäftigungswachstum berücksichtigt, erklärte Firgo.

Stadt-Land-Kluft bleibt
Die Kluft zwischen Stadt und Land dürfte sich durch die Digitalisierung aber nicht verringern. Zwar zeige die Mehrheit der bisherigen empirischen Literatur positive wirtschaftliche Effekte der Digitalisierung sowohl für Städte als auch für ländliche Regionen, doch seien diese Effekte für städtische Regionen tendenziell größer, und ländliche Regionen nahe Zentren würden eher von digitalen Technologien profitieren als ländlich-periphere Gebiete. Das Standortgefälle zwischen den Bundesländern in Bezug auf die regionale Spezialisierung auf hoch digitalisierte Branchen sei zwischen den Bundesländern geringer als innerhalb der einzelnen Bundesländer.

„Zwischen 2010 und 2017 gibt es kaum Änderungen beim Standortgefälle in Österreich“, sagte Firgo. „Das ist insofern überraschend, als es seitens der Politik Hoffnungen gibt, dass die Digitalisierung dazu führt, dass man hochtechnologische Branchen eher im ländlichen Raum ansiedeln kann.“ Auf die Bevölkerungsentwicklung einer Region hat eine bessere Internet-Anbindung keine spürbare Auswirkung. Bessere Möglichkeiten zum Teleworking durch die Stärkung der Breitbandinfrastruktur allein sei daher kein geeignetes Instrument zur Dämpfung der Abwanderung im ländlichen Raum, meinen die Wifo-Experten.

Gesamtheitliche Strategie nötig
„Die Breitband-Strategie muss eingebettet werden in eine gesamtheitliche Strategie zur Entwicklung ländlicher Regionen, sodass auch andere wesentliche Infrastrukturbereiche in ausreichender Qualität vorhanden sind, wie öffentliche Nahversorgung, öffentlicher Verkehr oder Kinderbetreuungsplätze.“ Es gebe kein Patentrezept für alle Regionen, sondern die Maßnahmen müssten auf die jeweiligen Stärken oder Schwächen einer Region abgestimmt werden. „Es ist wahrscheinlich wenig sinnvoll, dass man allzu offensiv versucht, hoch digitalisierte Branchen in der Peripherie anzusiedeln, wenn die unternehmerische Basis und die Humankapitalbasis vor Ort nicht vorhanden sind“, so Firgo.

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