Ein fast bis zur Schmerzgrenze persönliches Webradio etwa will "Radionomy" (siehe Infobox) bieten: Zwischen den Musikstücken verliest eine Computerstimme jene Statusmeldungen, die auf dem Facebook-Profil des Hörers eintreffen. "Niemand muss heute mehr mit einem Roadie intim werden, um seine liebste Band zu treffen", verspricht hingegen Yancey Strickler von "Kickstarter".
Dort können Künstler auch außerhalb des Musikbusiness Verbindung mit ihren Fans aufnehmen, um sich von denen neue Projekte vorfinanzieren zu lassen. Bei der Belohnung für ihre Anhänger können die Künstler kreativ sein: So gibt's für spendierfreudige Fans alles vom Lob auf Twitter bis zur Nennung in einem Song.
Die Erinnerungen an das Lieblings-Konzert wiederum kann man auf "Songkick" mit jenen teilen, die auch dort waren und Fotos gemacht haben oder die Setlist beisteuern können.
Musik zum Selbermachen
Auch die Amateur-Revolution hat die Musikindustrie nun für sich entdeckt. Mit "Myna" und "Tracksandfields" kann jedermann gemeinsam Musik erstellen und weltweit austauschen, während die "GoMix"-Applikation auf Facebook und MySpace Amateuren erlaubt, Tracks bekannter Künstler neu zu mischen. 125.000 Remixes wurden bereits erstellt, einige davon mehr als 100.000 mal gehört, schilderten die Macher. Dabei gibt es bisher nur 25 Songs, die bearbeitet werden können - das soll künftig rasant ansteigen. Und in Zukunft soll man die eigenen Kreationen auch als mp3-Datei kaufen können.
Live-Musik in den eigenen vier Wänden erleben
Musik soll auch aus dem üblichen Kontext herausgelöst werde. Einen Clubbesuch ohne teuren Alkohol und blöde Anmachsprüche will das französische Projekt "Awdio" ermöglichen: Über eine Website kann man live-übertragene Musik aus 180 Clubs in 35 Städten in aller Welt hören und unter anderem für seine eigene Party zu Hause verwenden.
Auch für Live-Konzerte muss man künftig nicht mehr das Haus verlassen, geht es nach "Streamjam": Das zweite Leben, das die Plattform bieten will, sieht aus wie "Second Life" und dreht sich ganz um Musik. Ein virtuelles Musikfestival, das niemals endet, sollen die Besucher vom Schreibtischsessel aus besuchen können, und sich dazu mit einem Avatar durch Konzerte, Chats mit Künstlern und diverse Merchandising-Shops bewegen.
Tourplanung 2.0
Doch auch die Bands selbst und deren Investoren suchen neue Nutzungsformen des Internets. "BandCentral" bringt die notwendigen Tools online, um eine Band zu managen, vom Tour-Kalender über eine Ausgaben-Übersicht bis hin zum SMS-Alarm für vergessliche Bandmitglieder. "Bandmetrics" wiederum analysiert das Online-Verhalten von Fans, liefert Infos über Radio-Einsätze und jene Städte, in denen die Fans am aktivsten sind - Tourplanung 2.0.
"Sinnvolle Fan-Bindung"
Viele der Projekte sollen entweder werbefinanziert oder gegen monatliche Gebühren in einer "Premium"-Version nutzbar sein. Bei den neuen technischen Plattformen geht es im Unterschied zu Online-Musikstores aber nicht um Verkäufe - sondern "sinnvolle Fan-Bindung", wie Duncan Freeman von Bandcentral zusammenfasst.
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