29.10.2018 08:05 |

Milliardendeal

IBM übernimmt Linux-Entwickler Red Hat

Der Computerkonzern IBM hat am Sonntag die komplette Übernahme des Softwareunternehmens Red Hat angekündigt. Beide Unternehmen hätten eine definitive Vereinbarung erreicht, nach der IBM alle Stammaktien von Red Hat für 190 Dollar je Anteilsschein in bar übernehme, teilte IBM am Sonntag mit. Damit wird der Open-Source-Spezialist Red Hat mit rund 34 Milliarden Dollar (knapp 30 Milliarden Euro) bewertet.

IBM-Chefin Ginni Rometty will den IT-Dino zukunftssicher machen, indem sie wenig profitable alte Geschäftsbereiche schrumpft und dafür stärker auf künstliche Intelligenz und Cloud-Dienste setzt. Mit dem Kauf von Red Hat könnte IBM auf einen Schlag wichtiger im Cloud-Geschäft werden. Die Übernahme habe das Potenzial, die Landschaft im Cloud-Geschäft zu verändern, versicherte Rometty. „IBM wird der weltweite Hybrid-Cloud-Anbieter Nummer eins.“ Bei Cloud-Angeboten kommen Software und Dienste direkt aus dem Internet. Unter Hybrid-Cloud versteht man einen gemischten Betrieb von Cloud-Anwendungen und selbst betriebenen Servern. Im Cloud-Markt gehören unter anderem Microsoft, Google und Amazon zu den Konkurrenten. Microsoft kaufte jüngst die von vielen Linux-Programmierern genutzte Entwicklerplattform GitHub.

Alle rund 12.600 Mitarbeiter von Red Hat sollen übernommen werden, sagte Rometty dem „Wall Street Journal“. Außerdem solle Red Hat weiterhin von Jim Whitehurst und seinem Management geleitet werden. Whitehurst werde zudem in die IBM-Führung integriert.

Mit Linux zum Erfolg
Red Hat startete vor 25 Jahren mit einer eigenen Variante des Open-Source-Betriebssystems Linux, die vor allem auf Servercomputern verwendet wird. Linux ist eine sogenannte quelloffene Software. Das heißt, ihr Programmiercode ist öffentlich und kann von allen eingesetzt werden. Auf dieser Basis können Softwareanbieter aber Instrumente zur besseren Nutzung von Linux entwickeln - Red Hat wurde nach der Gründung zu einem führenden Spezialisten in diesem Geschäft. Heute erzielt das Unternehmen seinen Umsatz vor allem mit seinem Softwarepaket und Serviceangebot Red Hat Enterprise Linux sowie anderen Technologien, die häufig in Rechenzentren eingesetzt werden. Mit dem Börsengang von Red Hat im Jahr 1999 wurde auch Linux-Erfinder Linus Torvalds zum Millionär, da ihm Red-Hat-Gründer Marc Ewing aus Dankbarkeit Aktienoptionen zugesprochen hatte.

Drittgrößter Deal in Geschichte der IT-Industrie
Mit 190 Dollar je Aktie bietet IBM einen satten Aufschlag von gut 60 Prozent auf den Schlusskurs von Red Hat von Freitag. Der Preis von 34 Milliarden Dollar schließt auch Schulden von Red Hat ein, IBM will dafür neben seinen Geldreserven auch auf Kredite zurückgreifen. Mit dem Abschluss des Deals rechnen die Unternehmen im zweiten Halbjahr 2019. 
In der Geschichte der US-amerikanischen IT-Industrie waren nur zwei Deals noch größer als die nun angekündigte Übernahme von Red Hat: 2016 fusionierten für 67 Milliarden Dollar der Computerhersteller Dell und der Speicherspezialist EMC. Im Jahr 2000, kurz vor dem Platzen der Dot-Com-Blase, schluckte das Netzwerkunternehmen JDS Uniphase für 41 Milliarden Dollar den Spezialisten für optische Bauteile SDL.

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