Hartes Urteil
16 Monate Haft für Gaddafis “Geiseln” aus der Schweiz
Die libysche Regierung wies einen Zusammenhang mit der Polizeiaktion gegen Gaddafi-Sohn, Motassim Bilal (genannt "Hannibal"), in Genf kategorisch zurück. Am 15. Juli 2008 hatte die Genfer Polizei den Spross und dessen Frau in einem Luxushotel festgenommen, weil sie zwei Bedienstete misshandelt haben sollen. Das Ehepaar konnte die Schweiz kurz darauf nach Zahlung einer Kaution verlassen. Die Haftstrafe von 16 Monaten fassten die beiden Geschäftsleute nun offiziell wegen eines Visumvergehens aus. Zusätzlich wurden sie zu einer Geldstrafe verurteilt, hieß es.
Auch Demutsgeste des Bundespräsidenten half nichts
Der Schweizer Bundespräsident Hans-Rudolf Merz hatte versucht, die Lage im August 2009 zu entspannen, als er völlig überraschend nach Tripolis reiste und sich für die vorübergehende Festnahme Hannibal Gaddafis in Genf entschuldigte. In einem Vertrag einigte man sich auf die Wiederherstellung der bilateralen Beziehungen innerhalb von 60 Tagen und die Einsetzung eines Schiedsgerichts. Nach seiner Rückkehr erklärte Merz in Bern, die festgehaltenen Geschäftsleute könnten bis Ende August ausreisen. Daraus wurde aber nichts. Auch ein Treffen von Merz mit Revolutionsführer Gaddafi am Rande der UNO-Vollversammlung in New York am 24. September blieb ohne konkrete Ergebnisse.
Für zusätzliche Verstimmung sorgte im September die Verschleppung der Schweizer an einen unbekannten Ort. Die Libyer hatten nach eigenen Angaben befürchtet, die beiden Männer könnten von einem Schweizer Kommando befreit werden. Erst Anfang November wurden die Geiseln in die Schweizer Botschaft in Tripolis gebracht.
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