Wissenschafter sicher:

„Der Iran wird gestärkt aus dem Krieg hervorgehen“

Außenpolitik
23.09.2026 13:12
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der Politikwissenschaftler Doug Stokes sieht den Iran bereits jetzt als großen Sieger des Kriegs mit den USA. „Ich sehe keine Möglichkeit, dass der Iran aus dieser Krise nicht als sehr starke regionale Hegemonialmacht hervorgeht“, sagte Stokes.

Der aktuelle Krieg habe gezeigt, dass sich das Land auch von der stärksten Militärmacht der Welt nicht in die Knie zwingen lasse, sagte der Professor an der Modul University Vienna. Stattdessen sei die iranische Führung „sehr erfolgreich dabei, die USA aus dem Nahen Osten zu vertreiben“, analysierte er. Für ein Abkommen mit den Vereinigten Staaten verlange Teheran von Washington, als führende Regionalmacht anerkannt zu werden. „Und egal ob die Amerikaner das akzeptieren oder nicht – sie werden aus dem Nahen Osten vertrieben“, sagte Stokes.

Der Krieg habe gezeigt, dass der Einsatz von militärischer Gewalt ohne eine breitere Strategie „nutzlos“ sei. „Einfach nur militärische Gewalt einzusetzen, bringt dich nicht sehr weit“, hielt Stokes fest. Das größte Problem für die Vereinigten Staaten sei die „völlig unberechenbare und sehr emotionale“ Vorgangsweise von US-Präsident Donald Trump. Er betrachte die internationale Politik als Nullsummenspiel und halte sich nicht an Vereinbarungen.

Von links: Unterhändler Jared Kushner und Steve Witkoff
Von links: Unterhändler Jared Kushner und Steve Witkoff(Bild: AP/Efrem Lukatsky)
Irans Außenminister Abbas Araqchi
Irans Außenminister Abbas Araqchi(Bild: AFP/FABRICE COFFRINI / AFP)
Schiffe in der Straße von Hormuz, die für den weltweiten Öl- und Gashandel bedeutend ist
Schiffe in der Straße von Hormuz, die für den weltweiten Öl- und Gashandel bedeutend ist(Bild: AFP/ATTA KENARE)

Witkoff bat um Gespräch
Wie berichtet, haben sich am Dienstag Vertreter der USA und aus dem Iran am Rande der UNO-Generaldebatte in New York getroffen. Das Gespräch habe drei Stunden gedauert und sei „sehr gut“ gelaufen, sagte Trump. Iranische Staatsmedien bestätigten das Treffen. Auf US-Seite nahmen die Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner teil, auf iranischer Seite war Außenminister Abbas Araqchi bei dem Gespräch dabei. Es habe auf Bitte Witkoffs stattgefunden, hieß es.

Den USA seien die Bedingungen für die Öffnung der Straße von Hormuz mitgeteilt worden, berichteten iranische Staatsmedien. Dazu zählen etwa die sofortige Aufhebung der US-Seeblockade vor der iranischen Küste, die Auszahlung aller eingefrorener iranischer Vermögenswerte sowie ein Kriegsende an allen Fronten. Das Gespräch habe sich auf einen Weg für ein Abkommen fokussiert, schrieb die Zeitung „New York Times“. Trump stellte ein weiteres baldiges Treffen in Aussicht, nannte aber keine Details.

Iran: „Trump bedient sich innerpolitischer Propaganda“
In seiner Rede vor der UNO-Generalversammlung hatte er zuvor dem Iran unter anderem mit der „Hölle, ohne Überlebenschance und ohne Hoffnung auf zukünftige Größe oder nachfolgende Generationen“ gedroht. Das bezeichnete der iranische Generalstab der Streitkräfte als „Instrument der innenpolitischen Propaganda“. Die Aussagen basierten nicht auf Fakten vor Ort, hieß es. Der iranische Präsident Massoud Pezeshkian werde bei der UNO-Generaldebatte am Mittwoch die Botschaft des Irans verkünden.

Der Krieg dauert inzwischen seit fast sieben Monaten an und hat auch die Golfstaaten erfasst. So beherbergen beispielsweise mehrere US-Militärstützpunkte und waren selbst von iranischen Angriffen und den Folgen betroffen. Das Weiße Haus begründete die gemeinsamen Angriffe mit Israel damit, dass der Iran niemals in den Besitz einer Atomwaffe gelangen dürfe. Zeitweise hatte es eine Waffenruhe gegeben, die immer wieder gebrochen worden war.

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