Do, 18. Oktober 2018

Im Brennpunkt

04.04.2018 08:00

Kleine Bücherwürmer haben Aufholbedarf

Kleine Leseratten geraten wieder ins Scheinwerferlicht, denn es gibt viel zu tun: Österreichs Kinder sind leseschwach.

Das Kind liegt bereits im Bett und wartet gespannt auf die Gute-Nacht-Geschichte, bevor es ruhig einschläft - diese Vorlesesituation wie aus dem Bilderbuch wünscht man dem Nachwuchs, doch sie findet nur in wenigen Haushalten in Österreich statt. Dabei wäre dies der erste Schritt, den Kleinen das Lesen näherzubringen. Folgen von diesem Vorlese-Mangel sind eindeutig wenig Interesse für die Lektüre bei den Kindern.

Dies macht sich auch bei den Ergebnissen von verschiedenen Testen bemerkbar: Bei der letzten Überprüfung der Lesekompetenz der Zehnjährigen befindet sich Österreich in der Gesamtskala im Mittelfeld von 47 Teilnehmerländer. Doch wenn es um die Spitzenleser geht, muss die Alpenrepublik noch so einiges aufholen. Lediglich elf Prozent erreichen die beste Lesestufe. Von Russland, Singapur und den USA werden wir in dieser Kategorie deutlich übertrumpft. Was aber bei allen Tests signifikant auffällt: Mädchen schneiden viel besser ab als Buben. Einen möglichen Grund dafür nennt Karin Haller, Geschäftsführerin des Instituts für Jugendliteratur: „Mädchen werden beim Lesen mehr gefördert, etwa durch Buchgeschenke. Außerdem gibt es mehr weibliche als männliche Vorbilder, die lesen.“

Eltern beeinflussen Leseverhalten der Kids
Vor allem Eltern nehmen beim Leseverhalten der Kinder eine wichtige Rolle ein: Je öfter sie zu einem Buch greifen, desto eher wird der Nachwuchs ein Bücherwurm. Durch die vermehrte Handy-Nutzung der Kids glaubte man, dass Bücher bald der Vergangenheit angehören, doch auch Autor Thomas Brezina widerspricht dieser Aussage, denn sein Zielpublikum und seine Wünsche an ein Buch haben sich in den letzten Jahrzehnten nicht geändert.

Interview mit Thomas Brezina, Kinderbuchautor

“Krone“: Viele Kinder, die in den 90er-Jahren die „Knickerbocker-Bande“ gelesen haben, wuchsen in einer Zeit auf, in der um 21 Uhr das Licht abgedreht wurde - und sie unter der Bettdecke weitergelesen haben. Schreiben Sie heute für andere Kinder als vor zwei Jahrzehnten?
Thomas Brezina: Nein. Die Kinder sind ziemlich gleich, es haben sich äußere Umstände geändert. Das, was Kinder fasziniert, was sie anspricht und begeistert, das hat sich nicht massiv verändert - überhaupt nicht.

Dennoch klagen viele Experten darüber, dass Kinder heutzutage nichts mehr lesen und dass die deutsche Sprache verkommt. 
O.k., ich erzähle eine Geschichte immer und immer wieder, weil ich sie so bezeichnend finde: Als mein erstes Buch erschienen ist, vor mittlerweile 28 Jahren, saß ich bei meiner 90-jährigen Tante und hab’s ihr gezeigt. Und ich hab zu ihr gesagt: „Weißt du, Tante, viele sagen, die Kinder werden nix mehr lesen und nur noch fernschauen.“ Meine Tante ist in schallendes Gelächter ausgebrochen und hat gesagt: „Thomas, zu mir hams als Kind gsagt ,Mitzi, lies nicht so viel, davon verdirbt man sich nur die Augen‘.“ Es bleibt immer gleich, es wird immer nur gejammert. So ist es heute eben - die Kinder haben ein großes Angebot. Dann müssen wir damit umgehen und damit leben.

Was Kinder (nicht) lesen sollten:

  • „Pippi Langstrumpf“ ist ein altbekannter Klassiker, der heute noch gerne gelesen wird. Die freche Protagonistin aus Schweden prägt bereits seit 1945 die Kindheit vieler Österreicher. Auch Experten geben für diese Lektüre eine eindeutige Empfehlung ab.
  • Nicht mehr zeitgemäß ist das Kinderbuch „Der Struwwelpeter“ aus dem Jahre 1844 vom Frankfurter Arzt und Psychiater Heinrich Hoffmann. Diese Lektüre ist ein Paradebeispiel für die schwarze Pädagogik: Brutale Zeichnungen sollten Kinder von lästigen Angewohnheiten abhalten.

Die Büchereien Wiens
Mit 39 Zweigstellen und dem Angebot von 1,5 Millionen Medien bietet die Bücherei Wien seinen Nutzern ein breites Spektrum an Lesevergnügen. Auch hier zeigt sich eine altbekannte Tendenz: Frauen lesen mehr als Männer, denn die Abonnentinnen sind eindeutig in der Mehrheit. Das Repertoire reicht von Bilder- und Vorlesebücher bis hin zu Zeitungen und Zeitschriften, die man vor Ort, aber auch als eBook und ePaper nutzen kann. Lesungen und Veranstaltungen ziehen beinahe täglich weitere Besucher in die Zweigstellen.

Kathi Pirker, Melanie Leitner, Kronen Zeitung

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