Die Leidensgeschichte von Marcel aus Niederösterreich, der nach einem Unfall unter extremen Schmerzen litt, klingt noch immer nach. Bei einem Waldbegräbnis nahm seine Familie Abschied.
„Es war genau so, wie er es sich gewünscht hat und wie wir es besprochen hatten.“ Sagt Jenny, die Ehefrau jenes Mannes, der am 5. Juni nach einer unvorstellbaren Krankheitsgeschichte seine letzte Reise angetreten hat.
Marcel (39) saß nach einem Arbeitsunfall vor 13 Jahren im Rollstuhl und konnte nur noch seine Arme halbwegs bewegen. Jene Medizin, die er gebraucht hätte, ist in Österreich verboten. Natürliche Cannabisblüten fallen unter das Suchtgiftgesetz und sind nur in Form einzelner Wirkstoffe als Medizin erhältlich. Marcel entschloss sich zu einem begleiteten Suizid.
Seine letzte Ruhestätte befindet sich unter einer 72 Jahre alten Eiche. Dort hatten sich Marcels Familie, Arbeitskollegen, sein ehemaliger Chef und viele Freunde eingefunden, um Abschied zu nehmen.
Und oben auf der Urne ein Hanfblatt
„Die Kinder von Marcels Schwester haben seine Urne bemalt. Ein Fisch, ein Engel, ein Herz. Und obendrauf ein Hanfblatt“, erzählt Jenny. Darüber der Spruch: „Unser Herz ist traurig und schwer. Wir vermissen dich so sehr.“ Dann erklang das Lied „Flügel“ von Daniel Aubeck: „Du musstest gehen, denn der Schmerz war zu groß. Hast gekämpft, doch nie gesagt, wie schwer du dich tust. Bis zum letzten Tag, an dem du Flügel bekamst.“
An den letzten gemeinsamen Tag erinnert sich Jenny immer wieder. „Wir waren alle versammelt um ihn herum. Als der Arzt kam und die Dame vom Sterbehilfeverein, wurden wir gebeten, kurz rauszugehen. Danach ist alles ganz schnell gegangen.“ Marcel sei friedlich eingeschlafen. „Vorher entschuldigte er sich noch, dass er in den letzten Wochen unausstehlich war.“
Und was waren ihre letzten Worte? „Komm gut drüben an und grüße mir ,Schila‘ und ,Pablo‘!“ – die ersten beiden gemeinsamen Hunde.
Für mich ist das ein Zeichen, dass seine Seele bei uns geblieben ist.
Marcels Ehefrau Jenny
„Wenn ich mit unseren jetzigen Hunden in den Wald gehe, um Marcel zu besuchen, dann rennen sie sofort zum richtigen Baum“, erzählt Jenny. Schäferhund „Sam“ trauert still, die anderen Hunde sind aufgedreht. Es fühle sich komisch an, aus dem Haus zu gehen, ohne „Tschüss!“ zu sagen. Zu Hause passieren seit Marcels Tod seltsame Dinge, berichtet Jenny. „Manchmal spielt Alexa wie aus heiterem Himmel plötzlich Lieder von ihm. Für mich ein Zeichen, dass seine Seele bei uns geblieben ist.“
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