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Online-Musikmarkt trotz Piraterie vor Kehrtwende

24.01.2012, 10:39
Online-Musikmarkt trotz Piraterie vor Kehrtwende (Bild: DAPD/Michael Gottschalk)
Foto: DAPD/Michael Gottschalk
Nach 15 Jahren Durststrecke steht die Musikindustrie nach eigener Einschätzung weltweit vor einer Kehrtwende zu neuem Wachstum. Der Jahresbericht über den digitalen Teil der Branche gebe Anlass zu "echtem Optimismus", sagte die Vorsitzende des Branchenverbandes IFPI, Frances Moore, am Montag in London. Führende Musikmanager gingen noch deutlich weiter. Laut Rob Wells, Digital- Chef von Branchenprimus Universal Music, sieht die Zukunft "extrem hell" aus.

Wie aus dem am Montag vorgestellten "Digital Music Report" hervorgeht, konnte der Anteil digitaler Verkäufe am Gesamtmarkt erneut gesteigert werden und machte 2011 bereits 32 Prozent aus. "Wir haben uns in einem sehr herausforderndem Umfeld weiterentwickelt", erklärte Moore. Der Musikhandel mittels Download- Shops sowie Handy- und Streamingdiensten konnte zwar seit der erstmaligen Präsentation des Berichts im Jahr 2004 stetig wachsen, 2011 wurde aber erstmals eine größere Steigerung als im Jahr davor verzeichnet.

Mittlerweile werden auf diesem Weg 5,2 Milliarden Dollar (4,03 Milliarden Euro) umgesetzt, was einem Plus von acht Prozent entspricht. In den USA macht der Online- Markt bereits mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes aus, in China sogar 71 Prozent. Dieser Anstieg fange die Rückgänge im CD- Geschäft immer mehr auf, heißt es. Die IFPI geht davon aus, dass 2011 insgesamt 3,6 Milliarden legale Downloads getätigt wurden.

Streamingdienste besonders gefragt

Besonders hohe Wachstumsraten sind bei Streamingdiensten erkennbar: Nutzten 2010 weltweit noch rund acht Millionen Menschen entsprechende Angebote, konnte diese Zahl in den vergangenen zwölf Monaten auf über 13 Millionen gesteigert werden.

Das digitale Musikgeschäft umspannt den ganzen Globus, wie es Moore ausdrückt, die größten Service- Anbieter sind bereits in 58 Ländern vertreten. Folglich resümiert die IFPI- Vorsitzende im Bericht auch entsprechend positiv: "Die Musikindustrie hat die Möglichkeiten der digitalen Welt genutzt, wie es nur wenige andere Geschäftsfelder für sich behaupten können."

Internet ist "Segen für die Musikbranche"

Dass Nutzer nun zwischen Zugang und Besitz unterscheiden können und Download- sowie Streaming- Angebote erfolgreich nebeneinander existieren, spricht laut Rob Wells, zuständig für den digitalen Markt bei Universal Music, Bände. "Tatsächlich haben wir in der vergangenen Dekade erst an der Oberfläche der digitalen Musik gekratzt", wird Wells im Bericht zitiert.

Sein Kollege Edgar Berger, für das internationale Geschäft von Sony Music zuständig, sieht im Internet inzwischen sogar einen "Segen für die Musikbranche": "Nie zuvor wurde so viel Musik konsumiert wie jetzt", betonte Berger und fügte hinzu: "Statt Gegenwind haben wir jetzt Rückenwind."

Kampf gegen Piraterie wird 2012 fortgesetzt

Insgesamt agieren derzeit knapp 500 Angebote auf dem legalen Sektor, was dem Nutzer eine Auswahl von rund 20 Millionen Songs verschafft. Schwarze Schafe gibt es aber weiterhin, und so bleibt die Kernbotschaft des "Digital Music Report" auch in diesem Jahr der Kampf gegen die Piraterie. Eine Schlüsselposition sollen dabei 2012 Suchmaschinen einnehmen, seien diese doch "eine wichtige Zugangsroute für jene, die nicht lizenzierte Musik im Internet suchen".

So sei die Vorreihung von legalen Angeboten bei den Suchergebnissen ebenso ein essenzieller Weg wie das Unterbinden von finanzieller Unterstützung illegaler Seiten durch Werbung. Dass der in den USA heftig umstrittene "Stop Online Piracy Act" vorerst ausgesetzt wurde, bezeichnete Moore als Enttäuschung. "Wir hoffen aber, dass es in den kommenden Wochen einen Kompromiss geben wird."

Positiv bewertet werden aber neue Gesetzesbeschlüsse sowie Kooperationen mit Internet Service Providern oder auch die Schließung von Pirate Bay in Europa. IFPI selbst konnte im vergangenen Jahr 15 Millionen Links zu urheberrechtsverletzenden Seiten entfernen. In Frankreich führten die Aktivitäten der "Hadopi"- Behörde, die die Einhaltung der Regeln im Internet überwacht, zu einem Rückgang von rund einem Viertel bei Peer- 2-Peer- Nutzern. Zusätzlich sei die Bewusstseinsbildung weiter zu forcieren, forderte Moore.

Bruno Mars online am erfolgreichsten

Illegalen Downloads zum Trotz konnten 2011 wieder etliche Künstler ihre Songs millionenfach im Internet verkaufen. Erfolgreichster Protagonist war in dieser Hinsicht Bruno Mars, der seinen Song "Just The Way You Are" mit 12,5 Millionen Downloads nicht nur an die Spitze der entsprechenden Hit- Liste setzen, sondern zusätzlich noch mit "Grenade" (10,2 Millionen) und "The Lazy Song" (6,5 Millionen) zwei weitere Titel unter den Top Ten platzieren konnte.

AG/red
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