Betsy Sparrow von der Columbia- Universität in New York hat mit Kollegen in vier Experimenten untersucht, welche Auswirkungen die Internetsuche auf die Merkfähigkeit des Menschen hat.
In einem der Tests sollten die Teilnehmer vierzig Fakten recherchieren, zum Beispiel ob das Auge eines Straußes größer ist als sein Gehirn. Der Hälfte der Personen wurde vorher gesagt, die Informationen würden auf dem Computer gespeichert, die andere Hälfte glaubte, die Daten würden gelöscht.
Wie die Forscher anschließend durch Befragungen herausfanden, konnten sich die Tester der zweiten Gruppe an signifikant mehr Informationen erinnern als jene, die sich auf den PC- Speicher verließen. "Die Teilnehmer haben keine Anstrengung unternommen sich zu erinnern, wenn sie dachten, sie könnten die trivialen Fakten, die sie gelesen hatten, später nachschlagen", so die Autoren in ihrer Studie "Google Effects on Memory".
Ein anderer Test sollte prüfen, woran sich Menschen bei der Suche über den Computer erinnern. Sie sollten sich dazu sowohl einfache Fakten merken, etwa welche Länder einfarbige Flaggen haben, als auch, in welchem von fünf Ordnern die Information gespeichert war. Hier stellte sich heraus, dass sich die Testpersonen besser an den Speicherort als an die Fakten selbst erinnern konnten.
Es ist für das Gehirn also offenbar wichtiger, zu wissen, wo eine Information zu finden ist, als sich diese vollständig zu merken. "Das hat mich überwältigt", so Sparrow laut "New York Times" . Der Effekt sei bisher lediglich zwischen Menschen als "transaktives Gedächtnis" bekannt gewesen. Es beschreibt, dass der Mensch sich auf seine Umwelt - Familie, Freunde, Arbeitskollegen - verlässt, um Informationen abzuspeichern und abzurufen.