Polizei greift durch
Schon 200 Festnahmen nach Krawallen in Belgrad
Der Student stammt aus Novi Sad, berichtete die Belgrader Zeitung "Press" am Samstag unter Berufung auf eine Autopsie im Militärkrankenhaus. Der Vater des jungen Mannes habe seinen Sohn einwandfrei identifiziert. Das US-Außenministerium reagierte auf den Angriff auf seine Botschaft in Belgrad und hat den größten Teil seiner Diplomaten in Serbien zurückberufen.
Die Regierung in Washington folgte mit dieser Entscheidung am Freitag einer Empfehlung von Botschafter Cameron Munter. "Wir sind nicht hinreichend von ihrer Sicherheit hier überzeugt", sagte Munter. Der Botschafter bleibt jedoch zusammen mit einigen anderen hochrangigen Diplomaten weiter in Belgrad.
Condoleezza Rice kritisiert Serbien
Auch die Familien der Diplomaten wurden in die USA zurückgeschickt. Das Außenministerium rief alle US-Bürger dazu auf, die Risiken einer Reise nach Serbien oder eines weiteren Aufenthalts in dem Land genau abzuwägen. Außenministerin Condoleezza Rice setzte die Kritik am Verhalten der serbischen Behörden am Freitag fort. "Sie hatten die Verpflichtung, die diplomatischen Missionen zu schützen", sagte Rice. "Nach unseren Erkenntnissen war die Polizeipräsenz entweder unzureichend oder nicht entschlossen genug."
EU zieht Mitarbeiter aus dem Kosovo ab
Die Europäische Union hat Konsequenzen aus dem erbitterten Widerstand der mehrheitlich serbischen Bevölkerung im Nordkosovo gegen die dortige EU-Präsenz gezogen. EU-Kosovo-Beauftragter Peter Feith bestätigte am Samstag, dass man "vorübergehend" das Personal aus dem Norden der Provinz zurückgezogen habe, wie die serbische Nachrichtenagentur Tanjug berichtete.
Die Serben im Nordkosovo erkennen die Institutionen des neuen Staates, die von der EU unterstützt werden, nicht an und betrachten den Kosovo weiterhin als Teil Serbiens. Die EU-Entscheidung nährt Befürchtungen, dass es zu einer Teilung des Kosovo kommen könnte.
Traurige Bilanz einer Gewaltnacht
Am Donnerstag waren in Belgrad mehr als 500.000 Serben auf die Straßen gegangen, um gegen die Unabhängigkeit des Kosovo zu protestieren. Unter den Protestierenden befanden sich auch Hunderte Randalierer, die mit Gewaltexzessen (siehe Video!) dafür sorgten, dass die Lage völlig eskalierte. Die traurige Bilanz: Neben der Leiche in der US-Botschaft gab es 130 Verletzte, darunter 52 Polizisten, 90 beschädigte Geschäfte sowie Attacken auf die Botschaften von Großbritannien, Deutschland, Belgien, Kanada, Kroatien, Bosnien und der Türkei. Vor der österreichischen Botschaft blieb die Lage ruhig, zwei Filialen der Raiffeisen-Bank wurden durch Steinwürfe beschädigt.
Bilder vom Feuer und der Demonstration findest du in unserer Infobox!
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