Nach Bekanntwerden der schrecklichen Vorwürfe gegen Günther „Gunkl“ Paal – die „Krone“ berichtete zuerst – hat sich der Kabarettist in einem Video zu Wort gemeldet. „Ich hab‘ Schande auf mich gebracht“, so der Künstler, gegen den wegen des Verdachts des Kindesmissbrauchs und Besitzes von Missbrauchsdateien Minderjähriger am Mittwoch Anklage eingereicht wurde.
„Ich bedauere zutiefst, was ich gemacht hab‘, ich hätte es nicht tun sollen“, so „Gunkl“ in dem auf Facebook veröffentlichten Video, das knapp vier Minuten lang ist. Er habe „Schande“ auf sich gebracht. Der 64-Jährige nahm auch im Detail Stellung zu den Vorwürfen des Missbrauchs an dem heute fünfjährigen Mädchen, den er „sehr bedauere“, es sei „schrecklich“.
„Phase in meinem Leben, da hatte ich die Lust auf solche Videos“
Er habe – und das sei der zweite Anklagepunkt – auch „einiges Videomaterial auf Rechnern gehabt, die sich in meinem Besitz befinden“. Es habe eine Phase in seinem Leben gegeben, „da hatte ich die Lust auf solche Videos“.
Dann habe er auf das Material „vergessen“, als er sich einen anderen Rechner besorgt habe. Nun sei es aber bei ihm sichergestellt worden. Das sei ihm nicht nur „unangenehm“, das sei „furchtbar. So jemand möchte man nicht sein, jemand, der das hat oder hatte – das bin ich aber“, so Paal.
Der Kabarettist meldete sich in einem Facebook-Video zu Wort:
„Niemand hat gewusst, wie es in mir zugeht“
Es tue ihm sehr leid, er sei bereit, jede Strafe, die kommt, „unwidersprochen hinzunehmen“. Niemand habe gewusst, wie es in ihm „zugehe“. Er habe gedacht, das mit sich selbst ausmachen zu können – aus diesem Grund wolle er auch allen, „die derartige Neigungen in sich spüren“, raten, sich Hilfe zu suchen – vor allem um Kinder zu schützen.
Die Anklage gegen Paal ist noch nicht rechtskräftig, er hat das Recht, innerhalb von 14 Tagen Einspruch bei Gericht zu erheben – was er nach seinen Worten in dem Video aber wohl nicht tun dürfte. Einen Termin für eine Verhandlung gibt es noch nicht. Die Strafdrohung beträgt in beiden Fällen, die ihm vorgeworfen werden, sechs Monate bis fünf Jahre Haft.
Alfred Dorfer und Caroline Athanasiadis „erschüttert“
Auch erste Kabarett-Kollegen äußerten sich am Mittwoch zu dem Fall. „Vollkommen erschüttert“ habe er „erstmalig die verstörenden Nachrichten meines Kollegen Günther Paal“ vernommen, schrieb etwa Alfred Dorfer in einer Story auf Instagram. Paal war durch Dorfers Satiresendung „Dorfers Donnerstalk“ einem breiteren Publikum bekannt geworden – als Musiker und „Experte für eh alles“.
Während seiner gemeinsamen Bühnen- und TV-Arbeit habe es „weder Anzeichen, Hinweise oder Ähnliches in die kolportierte Richtung gegeben“, so Dorfer in seinem Statement. Seit zwölf Jahren gebe es zwar „so gut wie keinen persönlichen Kontakt“ mit Paal, doch es bleibe „die Bestürzung, nicht den kleinsten Verdacht oder Zweifel gehegt zu haben“, schrieb Dorfer und schloss mit: „In erster Linie jedoch müssen die Gedanken bei dem betroffenen Kind sein.“
Sie fragen sich vielleicht, warum der Name des Verdächtigen im ersten Artikel zunächst nicht zu lesen war. Zur Erklärung: Auch im Fall Teichtmeister wusste die „Krone“ schon lange vor der Anklage, dass die schweren Vorwürfe seine Person betreffen. Trotzdem entschieden wir uns im Anfangsstadium der Ermittlungen für eine anonymisierte Berichterstattung.
Im aktuellen Fall hat der ORF den Namen seines ehemaligen Stars öffentlich gemacht. Außerdem wurde Anklage eingereicht. Somit nennen auch wir den mutmaßlichen Täter.
„... nur weil der Beschuldigte sympathisch wirkt“
Dass das betroffene Kind im Mittelpunkt stehen müsse, schrieb auch Kabarett-Kollegin Caroline Athanasiadis, die sich auf Facebook „ehrlich erschüttert“ zeigte, gerade weil sie Paal „persönlich kenne und schon mehrmals mit ihm auf der Bühne gestanden“ sei. Aber ein „Zu mir war er immer lieb“ dürfe „niemals ein Gegenargument sein. Wir müssen endlich aufhören, Betroffenen weniger zu glauben, nur weil der Beschuldigte sympathisch wirkt.“ Jetzt brauche es eine lückenlose Aufklärung.
„Gunkl“ zahlte 150.000 Euro Schweigegeld
Der Missbrauchsfall hat aber eine weitere erschütternde Facette zu bieten: Die Mutter und Oma des missbrauchten Kindes sind wegen des Verdachts der schweren Erpressung angeklagt. Ihnen wird vorgeworfen, Paal wegen des mutmaßlichen Missbrauchs erpresst zu haben. Der Kabarett-Star zahlte 150.000 Euro, doch als der Druck zu groß wurde, erstattete er im Mai Anzeige und Selbstanzeige. Die beiden Frauen sitzen in U-Haft, das Kind, das auch einen siebenjährigen Bruder hat, befindet sich in der Obhut der Wiener Kinder und Jugendhilfe der MA 11.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.