Bei Volkswagen und Mercedes verschärft sich der Sparkurs. Während VW weitere Einschnitte ankündigt und über die Zukunft mehrerer Standorte diskutiert wird, stellt Mercedes sogar Werksschließungen in Aussicht. Tausende Beschäftigte protestierten bereits gegen die geplanten Maßnahmen.
Volkswagen will beim laufenden Sparprogramm das Tempo erhöhen. „Wir haben absolut keine Zeit zu verlieren und werden deshalb in unserem Performance-Programm nochmal deutlich nachlegen“, sagte VW-Markenchef Thomas Schäfer am Montag bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg. Über die konkreten Maßnahmen soll nun mit den Arbeitnehmervertretern gesprochen werden.
VW will beim Sparen „deutlich nachlegen“
Betriebsratschefin Daniela Cavallo sprach von noch härteren Sparbemühungen. „Alles in allem stehen damit die Zeichen auf Sturm“, sagte sie. Der Großteil der bisherigen „Gewinnkraft“ sei verloren. Die europäische Autoindustrie werde sich massiv neu ordnen, so Cavallo.
25.000 Stellen im Visier
Bei Volkswagen steht bereits der Abbau von 25.000 Arbeitsplätzen in Deutschland im Raum. Offen sei laut Cavallo, wie dies sozialverträglich umgesetzt werden könne und ob auch betriebsbedingte Kündigungen geplant seien. Zudem gibt es Streit über die Zukunft von vier Standorten.
VW hatte am Freitag seine Gewinnprognose für das laufende Jahr deutlich gesenkt. Als Grund wurde unter anderem eine Milliardenabschreibung auf die Tochter Porsche genannt. Details sollen bei einem Kapitalmarkttag am 7. Oktober folgen.
Zusätzlich kämpft Volkswagen mit dem Einbruch auf dem chinesischen Markt und der steigenden Nachfrage nach Elektroautos mit vergleichsweise niedrigen Margen. Gleichzeitig sinkt die Nachfrage nach Verbrennern. In Wolfsburg fallen deshalb geplante Sonderschichten weg, während im Elektrowerk Emden zwei Zusatzschichten vorgesehen sind.
Anfang September hatte der VW-Aufsichtsrat einen weiteren Sparplan genehmigt. Weltweit sollen weitere zehntausende Stellen wegfallen. Die Werke in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm stehen langfristig zur Disposition. VW-Chef Oliver Blume will die Rendite des Konzerns bis 2030 auf neun Prozent steigern.

Mercedes droht mit Werksschließungen
Auch bei Mercedes-Benz verschärft sich der Ton. Produktionsvorstand Michael Schiebe kündigte bei einer Betriebsversammlung in Sindelfingen an, dass zwei deutsche Werke geschlossen werden müssten, sollten die Kosten in Deutschland nicht sinken. Das bestätigte ein Unternehmenssprecher.
„Es ist unser klares Ziel, alle Deutschen Standorte zu erhalten“, sagte Schiebe. Gelinge eine Einigung über Kostensenkungen nicht, müsse Mercedes „ein deutsches Aufbauwerk sowie ein deutsches Powertrainwerk schließen“.
In Deutschland betreibt Mercedes neben Sindelfingen weitere Aufbauwerke in Rastatt und Bremen. Powertrainwerke gibt es unter anderem in Stuttgart, Berlin, Hamburg und Sachsen.
20.000 Beschäftigte protestierten
Zuvor hatten sich in Sindelfingen rund 20.000 Beschäftigte an einem Aktionstag der IG Metall beteiligt. Sie protestierten gegen Jobabbau und weitere Einschnitte in der deutschen Autoindustrie.
Mercedes hatte zuletzt eine „Produktivitätsoffensive für Deutschland“ angekündigt. In einem Schreiben an die Beschäftigten schlug der Vorstand unter anderem vor, für das gleiche Geld mehr zu arbeiten.
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