Krimi um „Timmy“
Abgereiste Ärztin nennt neuen Walretter „Betrüger“
Seit 24 Tagen hängt der Buckelwal „Timmy“ in der Wismarbucht in Deutschland fest. Die Retter geben aber nicht auf und so soll am Donnerstag ein neues Konzept zur Anwendung kommen, um den Meeressäuger endlich auf seine Reise in den Atlantik zu führen. Unterdessen übt die abgereiste US-Ärztin scharfe Kritik an der neuen Crew.
„Timmy“ liegt derzeit – wie im Livestream zu sehen ist – in einer ausgespülten Wanne auf einer Sandbank vor der Insel Poel. Der Wal bewegt immer wieder seine Schwanzflosse (Fluke). Die Retter haben ihr Rettungskonzept für Donnerstag überarbeitet. Den Wal mit Luftkissen anzuheben und mithilfe von Pontons (schwimmende Plattformen) und einer Plane abzutransportieren, kommt nicht infrage.
Laut „Bild“-Zeitung soll der Meeressäuger nun mit einer flutbaren Schute – einem motorlosen Lastkahn – in den Atlantik gebracht werden. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) sei über den neuen Plan bereits informiert worden und habe keine Einwände gehabt.
Livestream zum Wal „Timmy“:
„Wal musste stabilisiert werden“
Der Vorteil des neuen Konzepts soll sein, dass im Gegensatz zu dem Pontonsystem, der Wal absolut sicher transportiert werden könne. Das überarbeitete Konzept sieht eine „minimal invasive“ Spülmaßnahme vor – eine Maßnahme, die laut Backhaus unausweichlich war: „Der Wal musste stabilisiert werden, sonst wäre er vielleicht sogar umgekippt.“
Tauchunternehmer Fred Babbel sagte der „Bild“, dass das neue Gerät bereits unterwegs sei. Aus Hamburg soll eine 15 Meter breite, nicht fahrende Barge nach Wismar gebracht werden: „Der Wal muss so nicht angehoben werden. Die Barge wird dann so weit angehoben, dass der Wal immer im Wasser ist.“ Eine Rinne zum Fahrwasser soll frei gebaggert werden. Das dürfte zwei Tage dauern. „Wir können ihn freilassen oder auf anderem Weg transportieren.“
Neue Tierärztin soll „Timmy“ retten
Beim Rettungsversuch neu mit an Bord ist auch Kirsten Tönnies. Die 58-jährige Tierärztin ist eigentlich Spezialistin für Haustiere, jetzt soll sie dem gestrandeten „Timmy“ helfen. Ihre Vorgängerin, Janine Bahr-van Gemmert, musste am Montag mit dem Hubschrauber wegen „Kreislaufsymptomen, Schlaganfall-Auffälligkeiten“ ins Krankenhaus gebracht werden, wie Mitinitiatorin der Wal-Rettungsinitiative, Karin Walter-Mommert, im Sender NDR erklärte. Nach einer Notoperation befindet sie sich im Koma.
Abgereiste US-Ärztin nennt neuen Walretter „Betrüger“
Unterdessen geht der Streit unter den Rettern weiter. Kaum enthüllte MediaMarkt-Gründer Walter Gunz und Sponsor der Privatinitiative das neue Expertenteam, hagelte es auch schon harsche Kritik. Die abgereiste Tierärztin Jenna Wallace, die bis zuletzt beratend für die Privatinitiative tätig war, warnte eindringlich vor der neuen Crew. Die soll Charles Vinick vom „Whale Sanctuary Project“ geschickt haben.
Wallace sprach der Organisationen und den Köpfen dahinter jegliche Qualifikation ab, unterstellt jahrelange Spendensammlungen ohne Ergebnisse. „Sie wollen Öffentlichkeit und Spenden“, schreibt die Tierärztin aus Hawaii auf Facebook. Wallace schloss sich im Gespräch mit „t-online“ weiter auf Vinick ein: „Vinick ist weder Meeresbiologe noch ein Doktor, er ist ein Betrüger. Das Einzige, was er kann, ist Spenden zu sammeln und dann nichts zu tun. Er ließ Wale verhungern, bei denen er vorgab, sie retten zu wollen“, sagte sie. Und sie forderte: „Er darf nicht an das Tier ran.“
Wasser stieg über Nacht
Zurück zur Rettung: Laut dem Bundesamt für Wasserschifffahrt und Hydrographie stieg der Pegel in der Bucht von Poel über Nacht. Am Donnerstagmittag wird sogar ein Höchstsand über dem Nullpegel erwartet. „Timmy“ liegt derweil sicher in einer Kuhle, sodass er zum Großteil mit Wasser bedeckt ist. Mit dem steigenden Wasser wird er aber höchstwahrscheinlich nicht wieder herausschwimmen können.
Der Gesundheitszustand des Tieres ist kritisch. Dennoch lebt der Wal, und solange diese Chance besteht, begleiten wir die Situation verantwortungsvoll.
Till Backhaus (SPD), Umweltminister im deutschen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern
Zustand des Wals besorgniserregend
Der körperliche Zustand des Wals bleibt jedoch besorgniserregend: Neben einer Hautkrankheit weist das Tier drei Verletzungen auf dem Rücken auf – laut Backhaus „wahrscheinlich durch Schraubenbewegungen“ verursacht – sowie einen Kratzer an der Seite.
Der Minister verweist dabei auf ein Gutachten, das auch Experten der Internationalen Walkkommission einbezieht. Das Fazit sei eindeutig: „Der Wal ist verletzt, stark geschwächt, es liegen Hautablösungen, Hinweise auf innere Verletzungen sowie auf weitere Schäden vor. Mehrfache Strandungen haben zusätzlich zu schweren körperlichen Belastungen geführt, darunter Druckverletzungen, Atemprobleme und Kreislaufstörungen.“ Die Schlussfolgerung fällt ernüchternd aus: „Eine Rettung ist nicht vielversprechend“, zitiert Backhaus das Gutachten.
„Timmy“ legte schon Hunderte Kilometer zurück
Rund 500 bis 600 Kilometer hat der Wal auf seiner Route nach Poel bereits hinter sich. Backhaus geht davon aus, dass er sich im Heringsstrom verirrt und so in die Ostsee geraten ist. Insgesamt sei das Tier „zwischen fünf und sechs Mal“ gestrandet. Zudem steht laut Backhaus fest: Das am Wal gefundene Netz kommt nicht aus deutschen Gewässern. „Wir können garantieren, dass das Netz, das er mitgeschleppt hat, nicht aus unseren Gefilden kommt“, betonte der Minister.










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