Der Wintereinbruch sorgte am Freitag mit enormen Mengen an nassem Neuschnee für Chaos in der Steiermark. Für die südlichen Landesteile erging die Katastrophenwarnung AT-Alert, Zehntausende Haushalte waren ohne Strom. Der Verkehr kam gegen Mittag praktisch zum Erliegen. Die Feuerwehren hatten den einsatzreichsten Tag ihrer Geschichte.
Einen solchen Tag hatte die Steiermark schon lange nicht mehr erlebt: Massen an Neuschnee sorgten für einen chaotischen Freitag mit knapp 2000 Feuerwehreinsätzen, zahlreichen Straßensperren, großflächigen Stromausfällen, Unfällen mit Verletzten und vielen Problemen auch im öffentlichen Verkehr.
Bäume stürzten auf Autobahn, Lkw blieben reihenweise hängen
Ein Rückblick auf den frühen Vormittag: Neben den Autobahnsperren auf der Pack bzw. beim Gleinalmtunnel blieben am Vormittag auf der A2 bei Graz mehrere Lkw zwischen Graz-Ost und Feldkirchen hängen, ein massiver Stau Richtung Wien war die Folge. Bei der Raststation Kaiserwald lag ein Baum quer über die Fahrbahn, ebenso kurz vor Hartberg Richtung Graz. Richtung Wien ging auf der A2 zwischen Pinkafeld und Zöbern nichts mehr.
Im Süden kam es bei Leibnitz zu einem Unfall. Bei Sinabelkirchen blieben mehrere Lkw hängen und lösten einen Unfall aus. Der Verkehr kam nur schleppend voran, bei Gleisdorf herrschte am Vormittag Stop-and-Go.
Auch Grazer Stadtgebiet betroffen
In Graz kam es am Lustbühel zu Problemen aufgrund eines hängen gebliebenen Fahrzeugs, wie Holding-Graz-Sprecher Gerald Zaczek-Pichler bestätigte. Die Buslinien 68 und 69 wurden eingestellt, die Linie 60 fuhr mit Schneeketten. Bei den Straßenbahnen kam es laut Holding nur zu Verspätungen bei einzelnen Wagen. Das große Chaos in der Stadt blieb aus – auch dank der Semesterferien, wie Zaczek-Pichler anmerkte.
Die Mitarbeiter der Holding starteten ihren Winterdienst bereits zeitig um 2.40 Uhr mit 70 Fahrzeugen und 150 Mitarbeitern. Per Schneepflug und manuell wurden die Schneemassen so gut es ging beseitigt, auf der Straße habe der Einsatz auch „super funktioniert“, sagt der Sprecher. Probleme gab es in Hanglagen, hier war die Feuerwehr am Werk.
S-Bahn-Verbindungen im Westen beeinträchtigt
In der Weststeiermark fielen die GKB-Züge der S-Bahn-Linie S6 auf der gesamten Strecke zwischen Wies-Eibiswald und Graz-Hauptbahnhof aus. Kurzfristig unterbrochen waren auch die Linien S1, S7 und S61. Laut GKB wurde der Betrieb am frühen Vormittag aber wieder aufgenommen. Bei den Busverbindungen kam es insbesondere im Raum Deutschlandsberg zu witterungsbedingten Verspätungen und kleineren Einschränkungen.
Krankentransporte eingeschränkt
Stark eingeschränkt war das Rettungswesen. Wie das Rote Kreuz mitteilte, konnten nicht zeitkritische Krankentransporte in mehreren Regionen nicht durchgeführt werden. Betroffen waren vor allem die Bezirke Graz-Stadt, Graz-Umgebung, Deutschlandsberg, Leibnitz, Weiz, Hartberg-Fürstenfeld und Südoststeiermark. Für Notfälle stand man selbstverständlich jederzeit zur Verfügung, auch zeitkritische Transporte wie Fahrten zur Dialyse und Strahlentherapie werden plangemäß durchgeführt.
Die Hilfsorganisationen wiesen darauf hin, dass in der gesamten Steiermark höchste Vorsicht geboten ist. Der Appell der Freiwilligen Feuerwehr Dirnbach lässt etwa an Deutlichkeit nichts offen: „Lebensgefahr – bleibt daheim!“, riefen die Kameraden die Bevölkerung auf Facebook auf (siehe oben). Auch der Katastrophenschutz schloss sich an: Nicht notwendige Fahrten sollten unterlassen werden, lautet der Appell.
Zehntausende Haushalte ohne Strom
Katastrophenschutz-Chef Harald Eitner begründete den AT-Alert für den Süden und Osten des Landes unter anderem mit den massiven Baumbrüchen durch den Nassschnee. Nicht nur Straßen waren blockiert, auch zahlreiche Stromleitungen wurden gekappt, kurz vor 9 Uhr waren in der Steiermark rund 35.000 Haushalte ohne Strom.
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