Der Wintereinbruch hat am Freitag mit enormen Mengen an nassem Neuschnee für Chaos in der ganzen Steiermark gesorgt. Für die südlichen Landesteile erging die Katastrophenwarnung AT-Alert, Zehntausende Haushalte waren ohne Strom. Der Verkehr kam bis Mittag praktisch zum Erliegen, erst am Nachmittag setzte leichte Entspannung ein.
Einige Autobahnabschnitte mussten schon in den frühen Morgenstunden gesperrt werden. Betroffen waren wie so oft der Packabschnitt auf der Südautobahn (A2), zunächst beim Assingbergtunnel, später zwischen Kalcherkogel- und Herzogbergtunnel, sowie die Pyhrnautobahn (A9) im Bereich zwischen Gleinalmtunnel und Knoten St. Michael. Große Probleme und Tunnelsperren gab es auch auf der Semmering-Schnellstraße (S6) im gesamten Bereich zwischen Leoben und der Landesgrenze. Zu Mittag hieß es vom ÖAMTC, dass „die gesamte Steiermark de facto für den Individualverkehr nicht mehr erreichbar“ sei.
Bäume stürzten auf Autobahn, Lkw blieben reihenweise hängen
Neben den Autobahnsperren auf der Pack bzw. beim Gleinalmtunnel blieben am Vormittag auf der A2 bei Graz mehrere Lkw zwischen Graz-Ost und Feldkirchen hängen, ein massiver Stau Richtung Wien war die Folge. Bei der Raststation Kaiserwald lag ein Baum quer über die Fahrbahn, ebenso kurz vor Hartberg Richtung Graz. Richtung Wien ging auf der A2 zwischen Pinkafeld und Zöbern nichts mehr.
Im Süden kam es bei Leibnitz zu einem Unfall, im Zuge der Bergungsarbeiten kam es zu Behinderungen. Bei Sinabelkirchen blieben mehrere Lkw hängen und lösten einen Unfall aus. Der Verkehr kam nur schleppend voran, bei Gleisdorf herrschte am Vormittag Stop-and-Go.
Auch Grazer Stadtgebiet betroffen
In Graz kam es am Lustbühel zu Problemen aufgrund eines hängen gebliebenen Fahrzeugs, wie Holding-Graz-Sprecher Gerald Zaczek-Pichler bestätigte. Die Buslinien 68 und 69 wurden eingestellt, die Linie 60 fuhr mit Schneeketten. Bei den Straßenbahnen kam es laut Holding nur zu Verspätungen bei einzelnen Wagen. Das große Chaos in der Stadt blieb vorerst aus – auch dank der Semesterferien, wie Zaczek-Pichler anmerkte.
Die Mitarbeiter der Holding starteten ihren Winterdienst bereits zeitig um 2.40 Uhr mit 70 Fahrzeugen und 150 Mitarbeitern. Per Schneepflug und manuell wurden die Schneemassen so gut es ging beseitigt, auf der Straße habe der Einsatz auch „super funktioniert“, sagt der Sprecher. Probleme gebe es in Hanglagen, hier war die Feuerwehr am Werk.
S-Bahn-Verbindungen im Westen beeinträchtigt
In der Weststeiermark fielen die GKB-Züge der S-Bahn-Linie S6 auf der gesamten Strecke zwischen Wies-Eibiswald und Graz-Hauptbahnhof aus. Kurzfristig unterbrochen waren auch die Linien S1, S7 und S61 laut GKB wurde der Betrieb am frühen Vormittag aber wieder aufgenommen. Bei den Busverbindungen komme es insbesondere im Raum Deutschlandsberg zu witterungsbedingten Verspätungen und kleineren Einschränkungen.
„Unübersichtliche Situation“
Polizeisprecher Fritz Grundnig sprach Freitagfrüh von einer unübersichtlichen Situation, die gesamte Steiermark ist vom Wintereinbruch betroffen. Neben den Hauptdurchzugsrouten sind auch zahlreiche weitere Verbindungen gesperrt, hauptsächlich aufgrund umgestürzter Bäume oder hängen gebliebener Fahrzeuge. Die gute Nachricht: Bisher gebe es keine Meldungen über verletzte Personen, es sei lediglich zu Sachschäden gekommen.
Krankentransporte eingeschränkt
Stark eingeschränkt ist allerdings das Rettungswesen. Wie das Rote Kreuz mitteilte, konnten nicht zeitkritische Krankentransporte in mehreren Regionen nicht durchgeführt werden. Betroffen sind vor allem die Bezirke Graz-Stadt, Graz-Umgebung, Deutschlandsberg, Leibnitz, Weiz, Hartberg-Fürstenfeld und Südoststeiermark. Für Notfälle stehe man selbstverständlich jederzeit zur Verfügung, auch zeitkritische Transporte wie Fahrten zu Dialyse und Strahlentherapie werden plangemäß durchgeführt.
Die Hilfsorganisationen weisen darauf hin, dass in der gesamten Steiermark höchste Vorsicht geboten ist. Der Appell der Freiwilligen Feuerwehr Dirnbach lässt etwa an Deutlichkeit nichts offen: „Lebensgefahr – bleibt daheim!“, riefen die Kameraden die Bevölkerung auf Facebook auf (siehe oben). Auch der Katastrophenschutz schließt sich an: Nicht notwendige Fahrten sollten unterlassen werden, lautet der Appell.
Zehntausende Haushalte ohne Strom
Katastrophenschutz-Chef Harald Eitner begründet den AT-Alert für den Süden und Osten den Landes unter anderem mit den massiven Baumbrüchen durch den Nassschnee. Nicht nur Straßen sind blockiert, auch zahlreiche Stromleitungen wurden gekappt, kurz vor 9 Uhr waren in der Steiermark rund 35.000 Haushalte ohne Strom.
Auch er beschreibt die Lage als „chaotisch“, und das werde in den südlichen Landesteilen auch den ganzen Tag über so bleiben. Bisher seien im Schnitt rund 20 Zentimeter Schnee gefallen, im Lauf des Tages können laut Prognosen des Katastrophenschutzes stellenweise noch rund 30 Zentimeter dazukommen.
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