Handy-Prüfstand

W910i und K850i im Test

Elektronik
06.12.2007 13:49
Wer einen aktuellen Modellpool von über 35 Handys im Programm hat, tut sich schwer mit Neuerungen, möchte man meinen. Doch bei Sony Ericsson hält man die inoffizielle Devise „Mehr ist mehr“ hoch und bringt fast im Monatstakt neue Handys. Für den November sind das die beiden Upperclass-Modelle K850i mit der ersten 5-Megapixel-Kamera im SE-Programm und das Walkman Handy W910i, das man im Mediaplayer-Modus durch einfaches Schütteln steuern kann. krone.at hat die beiden Handys begutachtet.

Vorweg die Steckbriefe der beiden Modelle:

Sony Ericsson K850i
Charakteristik: „Alien meets Fernbedienung“
UMTS-Handy
5-MP-Kamera mit Blitz und Bildstabilisator
3 Soft-Touch-Tasten
40 MB interner Speicher (4 GB mit Chip)
OS: Standard-Sony Ericsson

Sony Ericsson W910i
Charakteristik: „You Shook Me All Night Long“
GSM-Handy
2-Megapixel-Kamera
Schüttelsensor
35 MB interner Speicher (4 GB mit Chip)
OS: Standard-Sony Ericsson

Basisdisziplinen und Design
Ein Handy ist ein Handy ist ein Handy. Und ein Markenzeichen Sony Ericssons ist das stabile und mittlerweile jahrelang erprobte Betriebssystem, das in allen Handys abseits der P- und M-Smartphones zum Einsatz kommt. Hier findet man die gewohnten Menüstrukturen vor, alle Bestätigungsvorgänge laufen schnell und wie am Schnürchen. In Sachen Telefonie muss man beiden Geräten nichts vormachen. Auch die Akkulaufzeit bleibt mit durchschnittlich zwei Tagen bei normaler Kamera- bzw. Walkman-Benutzung wie gehabt.

Beim Design schaut‘s da schon anders aus: Gleich beim Auspacken des K850i fällt nicht nur das schwarz-grüne Kleid ins Auge - man fragt sich im selben Atemzug, was da mit der Tastatur passiert ist. Die Tasten am K850i sind kaum größer als Stecknadelköpfe und ragen gut zwei Millimeter aus der Kunststoffoberfläche. Das Navigationskreuz ist zu einem rechteckigen Wall mutiert, der die Tasten 1 und 5 einfasst. Schlampig draufdrücken geht hier nicht.

Sehr bequem sind jedoch die drei Menütasten, die eigentlich gar keine sind, sondern berühungsempfindliche Sektoren am unteren Rand des Displays. Beim Draufdrücken fährt das Handy eine effektvolle Animation ab, so als hätte man mit der Fingerspitze eine stille Wasseroberfläche berührt. Die Rückseite des K850i ist Kunststoff mit spiegelndem Klavierlack. Das sieht sehr edel aus, man kämpft jedoch mit Fingerabdrücken. Putztuch liegt dem Handy keines bei.

Das W910i gehört zur Gattung der Slider-Handys und gibt den Ziffernblock, der hier aus großen, in die Oberfläche integrierten Tasten besteht, erst beim Wegschieben der oberen Handyhälfte Preis. Weil aber kein Angriffspunkt außer den Tasten am unteren Rand des Oberteils vorhanden ist, tut man sich beim Zurückschieben mit dem Daumen schwer, sofern man nicht jedesmal in Kauf nehmen will, beim ungewollten Druck auf die Menütaste den Kalender aufzurufen.

Der Benützer gewöhnt sich hier aber schnell an, das Oberteil von oben hinunterschieben oder es mit einer Hand gegen Brust bzw. Bauch zu drücken. Ansonsten gibt‘s am W910i nichts auszusetzen, es ist ja auch nicht das erste Slider-Phone unter den Modellen der Walkman-Serie. Somit bleibt auch der ewige Kritikpunkt, dass man keine herkömmlichen Kopfhörer mit Klinkenbuchse an die Walkman-Handys anstöpseln kann. Das Headset mit den In-Ear-Kopfhörern sorgt beim W910i aber für angenehmen, generell sehr basslastigen Sound.

5 Megapixel beim K850i
Eines gleich vorweg: Man merkt die zwei Megapixel mehr hinter der Linsenabdeckung. Fotos mit dem K850i werden einfach besser, das fühlt so sich am Bildschirm als auch am Ausdruck so an. Im Vergleich zum bisherigen Kamera-Primus, dem K800i, hat man beim „Alien“-Handy (man könnte auch „Matrix-Handy“ sagen, dort ist auch alles schwarz-grün...) einen schwächeren Blitz eingebaut. In dunkler Umgebung und bei Kunstlicht - die meisten „Shootings“ mit dem K850i werden wohl in Clubs und Discotheken stattfinden - hat das eine leider nur mäßige Ausleuchtung der Umgebung zur Folge. Gesichter werden zwar akkurat beleuchtet, rundherum bleibt allerdings nicht viel zu sehen. Es sei denn, man schraubt die ISO-Einstellung der Kamera nach oben, was aber zur Folge hat, dass die Kamerasoftware das natürliche Rauschverhalten so stark reduziert, dass Konturen verloren gehen. Das ideale „Fortgeh-Handy“, das die Kamera substituiert, hat man mit dem K850i also leider nicht vor sich. Billig-Digicams für unter 200 Euro „schnupft“ das Handy (wenn‘s nicht zu finster ist...) aber locker.

Schüttelspaß beim W910i
Zwei intelligente Neuigkeiten gibt‘s am Slider-Walkman-Handy festzustellen. Zum ersten ist es die so genannte „Sens Me“-Funktion, die alle MP3s am Walkman in Gefühlskategorien wie lustig, traurig, etc. einordnet. Voraussetzung ist allerdings ein entsprechendes Tagging, das man aber vor dem Überspielen vom PC aufs Handy mit ein paar Klicks vornehmen kann. Im Sens-Me-Modus stellt das Handy dann alle Songs in einem Vier-Sektoren-Diagramm dar. Je nach Gefühlslage wählt man einen Sektor aus und wird prompt bedient.

Das interessantere Feature ist die so genannte „Shake Control“, die eine Steuerung des Handys per Handgelenk ermöglicht, was unterwegs sehr sinnvoll ist, da man das Telefon nicht aus der Hosen- oder Jackentasche nehmen muss, um einen neuen Titel anzuwählen. Eine Bewegung nach rechts bei gedrückter Walkman-Taste wählt den nächsten Titel an, bei einer Bewegung nach links springt man zum vorherigen Titel. Vorsicht in der U-Bahn: Bei allzu exzessivem Liedersprung, könnten Umstehende einen falschen Eindruck bekommen, wenn man dauernd Schüttelbewegungen in der Hosentasche macht...

Fazit: Schüttelspaß und Knopferl-Krise
Beim W910i hat man es mit einer intelligenten Erweiterung der Walkman-Serie zu tun. Die Shake-Control-Funktion ist derzeit einzigartig und ein nettes Gimmick, mit dem das Handy vielen MP3-Playern einen Schritt voraus ist was die Alltagshandhabung betrifft. Mit der Erweiterungsmöglichkeit per Memorystick-Karte auf bis zu vier Gigabyte (ein MemoryStick-auf-USB-Adapter wird mitgeliefert) ist das W910i eine ernst zunehmende Alternative zu iPod nano und Co.

Beim K850i werden sich die Geschmäcker spalten. Einerseits ist das Design gewagt, dadurch aber auch unverwechselbar und - wenn man darauf Wert legt - eine Seltenheit. Andererseits kann man über die verhunzte Tastatur nicht viel streiten. Die Tasten sind beim Telefonieren okay, wer viele SMSen schreibt, bekommt schnell viereckige Druckstellen an den Fingerspitzen. Die 5-Megapixel-Kamera überzeugt, es ist jedoch sehr schade, dass der Blitz einen Tick zu schwach geraten ist und dem K850i die Vielseitigkeit nimmt.

Von Christoph Andert 

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