Wegen Terrorgefahr

F: Lehrer wollen Schülern Rauchen wieder erlauben

Ausland
05.02.2016 06:18

Nach den jüngsten Warnungen der Polizeibehörde Europol, wonach die Terrorgefahr in Frankreich besonders hoch sei, hat die dortige Regierung eine Verlängerung des Ausnahmezustandes bis Ende Mai beschlossen. Auch viele französische Schuldirektoren sorgen sich um die Sicherheit ihrer Schüler und lassen mit einem ungewöhnlichen Vorschlag aufhorchen: Sie wollen Jugendlichen das Rauchen auf dem Schulgelände wieder erlauben, da die Gefahr vor Anschlägen auf den Straßen zu hoch sei.

Rauchen auf dem Schulhof soll wieder erlaubt werden - zumindest solange der aktuelle Ausnahmezustand nicht aufgehoben ist. Mit diesem Vorschlag wandte sich die französische Vereinigung von Schuldirektoren in dieser Woche an die Regierung.

Jugendliche auf Straßen leichtes Ziel für Attentäter
Die Begründung: In den Schulpausen strömen Dutzende Jugendliche aus mehr als 2000 Schulen auf die Straßen, um dort ihre Zigaretten zu rauchen. In diesen 15 bis 20 Minuten würden die Jugendlichen ein leichtes Ziel für Attentäter darstellen, heißt es in einem Brief der Vereinigung, der von der französischen Zeitung "L'Union"veröffentlicht wurde. Wie die Schuldirektoren berichteten, soll es bereits zu Begegnungen zwischen Schülern und fremden Gruppen gekommen sein, deren Mitglieder später als Dschihadisten identifiziert wurden.

Regierung gegen Vorschlag
Die Regierung hat mit dem Vorschlag freilich keine große Freude. Nicht einmal eine terroristische Bedrohung dürfe dazu führen, die Bemühungen um weniger Raucher im Land zurückzufahren, ließ sie gegenüber "L'Union" verlautbaren. Direktoren, die ihren Schülern das Rauchen auf dem Schulgelände erlauben, müssen vielmehr mit einer Strafe von mehreren Hundert Euro rechnen. Seit 2010 dürfen Tabakwaren in Frankreich erst an Jugendliche ab 18 Jahren verkauft werden. Zuvor war die Grenze bei 16 Jahren gezogen werden.

Widerstand nach Verlängerung des Ausnahmezustandes
Innerhalb der französischen Politik, aber auch in der Bevölkerung regt sich unterdessen Widerstand gegen die beschlossene Verlängerung des Ausnahmezustandes, die noch vom Parlament abgesegnet werden muss. Mehrere sozialistische Abgeordnete kündigten bereits Proteste an, am Samstag gingen Tausende Menschen in mehreren Städten auf die Straße. Neben der Verlängerung soll weiters eine umstrittene Gesetzesreform die Befugnisse von Polizei und Staatsanwälten stärken.

Der Ausnahmezustand sei notwendig, argumentierte Regierungssprecher Stephane Le Foll. Bei 3289 Durchsuchungen seit Inkrafttreten der Maßnahme seien 560 Waffen sichergestellt worden. Von 407 verhängten Hausarresten seien nur zwei vom obersten Verwaltungsgericht aufgehoben worden. Staatschef Francois Hollande hatte den Ausnahmezustand nach der islamistischen Anschlagsserie mit 130 Toten in Paris vom 13. November verhängt.

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