Mi, 12. Dezember 2018

Start in Kourou

03.12.2015 15:18

ESA-Satellit soll Gravitationswellen im All messen

Für ein Projekt zum Erforschen von Gravitationswellen im All hat die Europäische Weltraumorganisation ESA am Donnerstag einen neuen Satelliten gestartet, der Technik testen soll, mit der man diese Wellen messen kann. "LISA Pathfinder" hob um 5.04 Uhr MEZ an Bord einer "Vega"-Trägerrakete vom Weltraumbahnhof Kourou im südamerikanischen Französisch-Guayana ab.

Der Start war wegen technischer Probleme um einen Tag verschoben worden. "Lisa Pathfinder" (Pfadfinder) soll eine neue Technik für ein in etwa 20 Jahren geplantes großes Weltraumobservatorium testen, mit dem diese Wellen künftig aufgespürt werden könnten. "Nach vielen Jahren von Entwicklungen und Erprobungen auf der Erde kommt nun endlich die Feuertaufe, die wir nur im Weltraum vornehmen können", sagte Paul McNamara, ESA-Projektwissenschafter für "LISA Pathfinder".

"Die Grundlagenforschung dient dem besseren Verständnis der Welt, in der wir leben", meinte ESA-Generaldirektor Johann-Dietrich Wörner. "Die theoretischen Erkenntnisse Einsteins sind auch heute noch äußerst beeindruckend. 'LISA Pathfinder' wird uns der Bestätigung einer der Einstein'schen Vorhersagen näher bringen: der Existenz von Gravitationswellen." Gesteuert wird der Satellit vom ESA-Kontrollzentrum ESOC in Darmstadt aus.

Satellit soll im Februar sein Ziel erreichen
Der Satellit soll Mitte Februar 2016 rund 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt Richtung Sonne sein Ziel erreichen. Der Ort wird Lagrange-Punkt 1 (L1) genannt. "Das wird eine schwierige Strategie", sagte der Chef des ESA-Flugbetriebs, Paolo Ferri, im Kontrollzentrum in Darmstadt. "Wir müssen dafür mehrmals die Flugbahn ändern." Arbeiten dürfte Pathfinder ziemlich wahrscheinlich dann ein Jahr lang.

Was das spätere Großprogramm vorhat, soll der "Pfadfinder" im Kleinformat ausprobieren. In ihm befinden sich zwei jeweils zwei Kilogramm schwere Würfel mit einer Gold-Platin-Legierung und einer Kantenlänge von 46 Millimeter. Sie haben einen Abstand von 38 Zentimeter zueinander. Mit winzigen, etwa zehnmal pro Sekunde erfolgenden Triebwerksschüben soll der Satellit seine Position präzisieren.

Rot-weiß-rote Technik schützt "Pfadfinder"
Eine wichtige Rolle kommte der Hülle des Satelliten zu, die störende Einflüsse abhält. Für die Kohlefaserstruktur, die mehrlagige Thermalisolation sowie Heizelemente, die zur Regelung des Temperaturhaushaltes im Inneren des Satelliten sorgen, zeichnet das Wiener Weltraum-Unternehmen RUAG Space verantwortlich. Die Firma lieferte zudem elektronische und elektro-optische Baugruppen für "LISA Pathfinder".

Gravitationswellen verbiegen den Raum
Gravitationswellen - eine Vorhersage von Albert Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie - gehören zu den am schwersten fassbaren Kräfte im Universum. Die Wellen breiten sich im Vakuum mit Lichtgeschwindigkeit aus und verbiegen den Raum, ähnlich wie die Wellen eines ins Wasser geworfenen Steins eine Seeoberfläche kräuseln. Jeder beschleunigte Körper sendet der Theorie zufolge Gravitationswellen aus, die umso stärker sind, je mehr Masse der Körper hat und je schneller er sich bewegt. Die Wellen ließen sich bisher nicht direkt nachweisen. Es gibt aber auch kaum ernsthafte Zweifel an ihrer Existenz.

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