Parlament gestürmt
Landlose Bauern liefern sich Schlacht mit Polizei
Das brasilianische Fernsehen übertrug die Ausschreitungen live. Die Bauern schlugen die Fenster des Parlamentsgebäudes mit Steinen und Stöcken ein und drangen bis zum Plenarsaal vor, in dem die Abgeordneten tagten.
Landlosen-Führer Maranhao wurde mit rund 400 weiteren Menschen festgenommen. Sie könnten wegen Bandenbildung und möglicherweise auch wegen Mordversuchs angezeigt werden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Bei der Räumungsaktion waren 500 Polizisten im Einsatz.
Nach Augenzeugenberichten zogen sich die Landlosen nach etwa einer Stunde wieder zurück. Das Abgeordnetenhaus hatte demnach klargestellt, dass es nicht verhandeln würde, solange das Gebäude besetzt werde. Ein Vertreter der Landlosen sagte, die Demonstranten hätten den Vorsitzenden der beiden Parlamentskammern einen Brief übergeben wollen, in dem sie eine Landwirtschaftsreform fordern.
In Brasilien gibt es rund 4,6 Millionen Landlosenfamilien - etwa 26.000 Landbesitzern gehören 46 Prozent der brasilianischen Grundstücke. Die "Bewegung zur Befreiung der landlosen Bauern" (MLST) wurde 1997 gegründet und hatte erstmals im April 2005 mit der Besetzung des Finanzministeriums für Schlagzeilen gesorgt.
Opposition und auch Vertreter von Kleinbauern beklagen, dass der seit 2003 amtierende linksgerichtete Staatschef Lula da Silva die Agrarreform kaum vorangebracht habe. Der Landkonflikt hat in Brasilien seit 1985 mehr als 1.200 Menschenleben gefordert.
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