Der Wettergott hat offenbar Sympathien für Käsekrainer und dergleichen mehr: Bei blendendem Herbstwetter machten sich in der Hauptstadt Unzählige auf, um am Samstag den ersten Tag der Wiener Würstelstände zu genießen. Vor allem vor den Klassikern unter den Standln bildeten sich lange Menschenschlagen.
Auch unter den Standlern fragte sich so mancher, ob die Idee eines „Tags der Wiener Würstelstände“ mit seinem Stempelpass, der Standl-Safaris quer durch die Stadt mit Medaillen belohnt, Anklang finden würde. Doch der Versuch scheint geglückt. Sogar Gäste aus den Bundesländern waren mit dem Stempelpass in der Hand unterwegs und tauschten sich bei den Standln mit Einheimischen über Geheimtipps aus.
Sechs Würstelstände in einer Stunde
Der größte Andrang herrschte bei den alteingesessenen Würstelständen. Beim „scharfen René“ von Initiator René Kachlir am Schwarzenbergplatz lachte die Verkäuferin: „Schon eine Stunde nach dem Aufsperren, um 11 Uhr am Vormittag, war einer bei uns, der sich hier den letzten von sechs Stempeln auf seinem Stempelpass geholt hat. Der hat‘s offenbar wirklich eilig gehabt und ist mit Uber-Chauffeuren von Stand zu Stand gefahren.“ In den Außenbezirken dominierte eher das Stammpublikum.
Sepp Bitzinger mit seinem Stand hinter der Oper braucht den Würstelstand-Tag zwar nicht, damit dort lange Schlangen geduldig auf ihren Imbiss und ihr Getränk warten, dennoch zeigte er sich begeistert von der Idee, die das Scheinwerferlicht auf die traditionelle Imbisskultur der Hauptstadt richtet. Bis auf den Champagner, den Bitzinger traditionell bei der Albertina im Sortiment hat, sind auch bei ihm ausschließlich heimische Waren im Angebot. Politische Forderungen, dass in einen Weißen Spritzer nur österreichischer Wein darf, sind bei ihm schon seit Jahren eine Selbstverständlichkeit.
Es muss nicht immer Käsekrainer sein
Tatsächlich überzeugen die Standln nicht nur mit Tradition, sondern auch mit Qualität. Als die „Krone“ gerade den neuen „Würstel Pavillon“ neben dem Hietzinger Tor zum Schönbrunner Schlossgarten besuchte, testete dort auch Food-Influencer Martin Puttler die Ware. Sein Urteil: „Die Käsekrainer ist Weltklasse.“ Gerade der Stempelpass lud aber dazu ein, die Spezialitäten der einzelnen Standln kennenzulernen – sechs Käsekrainer hintereinander sind schließlich selbst für eingefleischte Fans eine Herausforderung.
Das erfreuliche Fazit der „Krone“-Testrunde durch die Stadt: Ob die Erdäpfel-Teigtascherl beim „Bitzinger“, das edle Beef Tartare bei „Alles Wurscht“, das Currywurst-Saucen-Geheimrezept beim „scharfen René“, die legendäre panierte Käsekrainer bei „Bewusst Wurst“ in der Avedikstraße oder die kreativen Bosna-Variationen bei der „Bosnarei“ am Währinger Gürtel – Wiens Würstelstände bieten viel mehr, als man ihnen zutraut. Und da haben wir noch gar nicht vom Schmäh der Standler gesprochen.
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