Pegel sinken weiter

Kaum Niederschlag: Rekordminus bei Wasserkraft

Steiermark
07.11.2026 16:00

Seit Beginn der Aufzeichnungen wurden noch nie so geringe Durchflussmengen gemessen: Laut Land Steiermark haben Mur und Feistritz historische Tiefstände erreicht. Die anhaltende Wasserknappheit hat auch immer schwerwiegendere Folgen für die E-Wirtschaft.

Superlative verwenden Konzernsprecher am liebsten, wenn es um Zuwächse geht. Die anhaltende Trockenheit macht der heimischen E-Wirtschaft allerdings derzeit einen Strich durch die Rechnung – zumindest bei der Stromerzeugung aus Wasserkraft. „Unsere 43 Wasserkraftwerke in der Steiermark produzieren rund um die Uhr grünen Strom“, sagt Robert Zechner vom Verbund. „Allerdings hängt die Erzeugung von der Wasserführung ab – und die war 2026 bislang die schwächste in unseren sehr langen Betriebsaufzeichnungen.“

Seit 100 Jahren keine vergleichbaren Werte
Besonders dramatisch ist die Situation an der Mur. „Hier liegt die Stromproduktion heuer bei etwa der Hälfte des langjährigen Durchschnitts“, berichtet Zechner. Bei einigen Kraftwerken reichen die Aufzeichnungen mehr als 100 Jahre zurück. Vergleichbare Tiefstände habe man in dieser Zeit noch nie verzeichnet.

Die anhaltende Trockenheit hat auch Auswirkungen auf die Fischbestände.
Die anhaltende Trockenheit hat auch Auswirkungen auf die Fischbestände.(Bild: APA/HELMUT FOHRINGER)

Wie außergewöhnlich die Lage ist, belegen auch die aktuellen Messwerte der steirischen Hydrografie: An der unteren Mur beim Pegel Mureck und an der Feistritz bei Anger wurde am Wochenende der niedrigste bisher gemessene Tagesmittelwert unterschritten, heißt es aus der zuständigen Abteilung 14. An weiteren Messstellen liegen die Abflussmengen ebenfalls unter jenem Wert, der statistisch an 95 Prozent aller Tage erreicht oder überschritten wird.

Zitat Icon

Aufgrund der fehlenden Schneeschmelze begann das heurige Jahr schon extrem trocken. Die Stromproduktion an der Mur liegt bislang bei etwa der Hälfte.

Verbund-Sprecher Robert Zechner

Existenzen sind bedroht
Auch die Kleinwasserkraft leidet unter den geringen Zuflüssen. Je nach Standort und Einzugsgebiet verzeichnen die Anlagen Produktionsrückgänge von bis zu 35 Prozent, berichtet Branchensprecher Bernd Lippacher. Bei besonders geringer Schüttung müssten einzelne Anlagen sogar vorübergehend stillstehen. Für kleinere, familiengeführte Betriebe könnten mehrere aufeinanderfolgende Trockenjahre damit existenzbedrohend werden.

Klimawandel als Beschleuniger
Wie stark die Dürre die Branche belastet, verdeutlichen auch die am Donnerstag veröffentlichten Quartalszahlen des Verbund-Konzerns: Die Stromerzeugung aus Wasserkraft sank gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 20,2 Prozent auf 15.984 Gigawattstunden. Der Erzeugungskoeffizient der Laufwasserkraftwerke lag mit 0,61 zudem um 39 Prozentpunkte unter dem langjährigen Durchschnitt.

Dass sich die Betreiber künftig auf häufigere Trockenphasen einstellen müssen, hält Lippacher für wahrscheinlich. „Wir müssen davon ausgehen, dass sich die Wasserführung durch den Klimawandel zunehmend verändert.“

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