Wien hat ein neues immaterielles Kulturerbe zugesprochen bekommen: Die UNESCO hat Würstelstände als unverzichtbare „gesellschaftliche Praktik“ der Stadt Wien anerkannt. Auch jeder Wiener ist ein wenig Preisträger: Lebendig werde die Würstelstand-Kultur vor allem durch ihre Besucher, anerkennt die UNESCO.
Der Antrag bei der UNESCO war eine der ersten Aktionen des heuer im März gegründeten Vereins der Wiener Würstelstände – die „Krone“ berichtete. Was damals von manchen belächelt wurde, nimmt die UNESCO durchaus ernst.
Die Würstelstände haben alles, was es für ein Kulturerbe benötigt: Geschichte (sie gingen, so wie Trafiken, aus der Versorgung von Kriegsinvaliden im 18. Jahrhundert hervor), Unverwechselbarkeit und einen schützenswerten Status: Heute gibt es nur noch rund 120 in der Stadt, vor 15 Jahren waren es noch viermal so viel.
Wie die UNESCO den Würstelstand definiert
Erstmals gibt es damit auch eine quasi bindende Definition für den Würstelstand: „Typisch für die Würstelstände sind neben dem freistehenden Stand das Sortiment, die ungezwungene Atmosphäre und der Wortschatz, der sich darum gebildet hat“, so die UNESCO. Sie empfiehlt die aktive Pflege des Erbes, etwa durch Spezialisierungen auf nachhaltig produzierte Lebensmittel und mehr Öffentlichkeitsarbeit wie zum Beispiel eine „lange Nacht der Würstelstände“.
Wichtig ist für dieses Erbe die soziale Durchmischung aller Alters-, Gesellschafts- und Bevölkerungsschichten, welche den sozialen Austausch und Nähe sowie das Ausleben und den Erhalt des „Wiener Schmähs“ (Wiener Humors) ermöglicht.
Aus der UNESCO-Begründung zum Welterbe-Status
Bürgermeister gratuliert
Unter den ersten Gratulanten war Bürgermeister Michael Ludwig, der schon den Antrag wohlwollend begleitet hat: Er freut sich über die Anerkennung dieses „lebendigen Symbols der Wiener Lebensart“. Das bedeute auch eine Ehrung für „die Tradition, die Gastfreundschaft und die Vielfalt unserer Stadt“ sowie für „alle Wienerinnen und Wiener, die sie mit ihrer Herzlichkeit und ihrem Charme“ zu einem „Treffpunkt machen, an dem sich Lebensfreude und Kultur begegnen“.
Mit den Würstelständen bringt es Wien auf nunmehr neun eigene Einträge im Register des immateriellen Kulturerbes: Seit 2010 haben die Spanische Hofreitschule, die Sängerknaben, der Dudler, die Heurigenkultur, der Neustifter Hauerkrone-Umzug, das Rundtanzen am Eis, das Stegreifspiel der Tschauner-Bühne und die Kaffeehauskultur die Anerkennung durch die UNESCO-Kommission geschafft.
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