Entspannte Plauderei mit dem Kärntner Schriftsteller, Theaterwissenschafter und vielseitig umtriebigen Günter Schmidauer über Leben, Literatur und die Kunst, nichts zu wollen.
In existenzialistisches Schwarz bis Dunkelblau gehüllt, steht er auf dem Steg am Wörthersee. Der Hintergrund changiert in allen Wasserfarben, der Himmel ist regenschwer umwölkt – strahlender Sonnenschein würde auch nicht passen zu den philosophischen Schattierungen und kritischen Verschattungen eines hintersinnigen bis kratzbürstigen Betrachters, der aus Lebensrealität Sprache schneidet und in der Sprache jene Schwelle sucht, „an der Wirklichkeit aufhört und Fantasie beginnt.“
Neuer Roman im Frühjahr
14 Bücher (Romane, Essay-Bände, Künstlerbiografien, Theaterstücke) hat der Theaterwissenschafter, Philosoph und Germanist bislang geschrieben – „Im Frühjahr erscheint bei Hermagoras mein neuer Roman ,Der Turm’ über vier Personen und ein mysteriöses Verschwinden. Je länger man schreibt, umso mehr schreibt man über sich selbst. So gesehen ist der Stoff nicht schizophren, sondern quadrofon.“
Dass der 71-Jährige im intellektuellen Elfenbeinturm sitzt, sei ihm nicht unterstellt. Dass es mitunter schwierig ist für einen stetig Hinterfragenden, der vom „Niveau seiner Freunde enttäuscht ist“ und sich nach „der verstummenden Ehrlichkeit eines Alois Brandstetter“ sehnt, ist einer omnipräsenten Integrität geschuldet, an der er sich und andere misst.
Mut zum Zulassen und zum Neuen
„Wenn man sich nicht immer belügt, dann kommen Geister, Dämonen und diese herrliche Versponnenheit des Selbst zutage. Will man dagegen etwas erzwingen, trägt man ein geistiges Korsett und das Unterbewusste kann nicht hereinströmen. Man muss nur den Mut haben, zuzulassen – das Neue, die Freude. Das ist meine Maxime. Ich wollte nie etwas erreichen. Aber ich spüre genau, wenn mir etwas wichtig ist.“
Wichtig war Schmidauer zum Beispiel „die Anerkennung von Herbert Wochinz, Helmut Qualtinger und H. C. Artmann“, mit denen ihn eine innige Lebens- wie Arbeitsfreundschaft verband. Doch auch viele andere, klingende Namen, darunter Pavel Kohout, hallen im so dichten Lebenslauf des „Schichtenschreibers“ nach, der abträgt, aufbaut und neben Hauptbetätigungsfeldern u. a. als Dramaturg, Regisseur, Autor, Juryvorsitzender des Kärntner Lyrikpreises. . . auch die Arbeit als Uni-Lehrbeauftragter in Klagenfurt, Citymanager in Feldkirchen, Gremialgeschäftsführer in der Kärntner Wirtschaftskammer oder PEN-Austria-Vorstandsmitglied umfasst.
Was eine gute Kulturszene ausmacht? „Dass man auch die alten Fantasten schätzt, umarmt und mitleben lässt.“ Und wann wird Literatur für Günter Schmidauer spannend? „Wenn das Zitat stärker wird als jeder Kommentar.“
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