Aufregung am Friedhof

„Ich will um meinen Mann trauern – nicht turnen!“

Wien
08.11.2026 19:00

Fitness statt Ruhe: Die umstrittene Freiluft-Muckibude am Friedhof in Wien-Meidling sorgt weiter für Wirbel. Besonders bitter für die Wienerin Brigitte Schwarz (78): Ihr Familiengrab liegt direkt neben den Geräten. Die Rentnerin fühlt sich von der Stadt übergangen

Die Aufregung war groß, als publik wurde, dass mitten zwischen Gräbern am Friedhof Meidling im 12. Bezirk mehrere Fitnessgeräte aufgestellt wurden. Was die Stadt als „neues Bewegungsangebot und Aufwertung des Grünraums“ präsentierte, sorgt seither bei vielen Menschen und Friedhofsbesuchern für Entsetzen und Kopfschütteln – die „Krone“ berichtete zuerst.

Doch jetzt bekommt der Wirbel eine ganz persönliche Note. Denn direkt neben der umstrittenen Freiluft-Mucki-Bude befindet sich nämlich das Familiengrab von Frau Brigitte Schwarz.

Unmittelbar neben dem Familiengrab von Brigitte Schwarz kann trainiert und geschwitzt werden. Am ...
Unmittelbar neben dem Familiengrab von Brigitte Schwarz kann trainiert und geschwitzt werden. Am meisten verletzt hat die Seniorin, dass sie vorab nicht darüber informiert wurde.(Bild: Imre Antal)

Zwischen Familiengrab und Fitnessprogramm
Die 78-jährige Rentnerin ist enttäuscht und wütend. Denn seit hier auch trainiert wird, ist für sie die Ruhe vorbei. „Ich will in Ruhe um meinen Mann trauern und nicht turnen! Das gehört hier einfach nicht her!“, macht die Wienerin ihrem Ärger gegenüber der „Krone“ Luft. Mehrmals pro Woche besuche sie das Grab ihres verstorbenen Mannes. Dabei möchte sie innehalten, sich erinnern und ein paar ruhige Momente verbringen. Stattdessen hat sie nun ausgerechnet die Fitnessgeräte direkt vor der Nase. 

Zitat Icon

Der Friedhof ist doch in erster Linie ein Ort des Abschieds und des stillen Gedenkens. Mit der Ruhe ist es hier nun leider vorbei.

Brigitte Schwarz

Besonders enttäuscht ist sie darüber, dass sie und viele andere vorab nicht informiert wurden. „Das ist unmöglich. Wir wurden nicht gefragt. Alles hat seinen Platz, aber doch nicht hier am Friedhof“, kritisiert die rüstige Pensionistin, während sie eine Kerze für ihren Gatten anzündet. Für sie sei der Friedhof seit Jahrzehnten ein ganz besonderer Ort. Dass ausgerechnet unmittelbar neben der letzten Ruhestätte ihres Mannes Fitnessgeräte zum Trainieren einladen, kann sie weiterhin nicht nachvollziehen. Zu Allerheiligen hätten hier auch einige Kinder herumgespielt und getollt: „Die Eltern haben nicht einmal etwas gesagt.“ Die Debatte um den ungewöhnlichen Fitnesspark reicht mittlerweile bis ins Rathaus.

Zitat Icon

Die Friedhöfe setzen mit dem pietätlosen Fitnesspark auf das völlig falsche Pferd. Die Friedhofsgebühren wurden in den letzten 5 Jahren um 23 Prozent erhöht!

ÖVP-Gemeinderat Lorenz Mayer

ÖVP-Gemeinderat Lorenz Mayer forderte die zuständige Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) sogar auf, die Entfernung der Anlage zu veranlassen. Die Volkspartei unterstützte außerdem auch eine Petition, die sich gegen Friedhöfe als Freizeitparks aussprach – diese wurde aber gar nicht erst zugelassen. Doch die Besucher würden hier nicht nur über den pietätlosen Fitnesspark klagen. „Vandalismus und die seit Monaten gesperrten Toiletten sind ein echtes Problem. Wir brauchen geringere Gebühren, mehr Sicherheit und keine pietätlosen Prestigeprojekte“, so Mayer weiter.

Friedhöfe wollen allen Ansprüchen gerecht werden
Die Stadt verteidigt das Projekt hingegen. Es handle sich nicht um ein klassisches Fitnessstudio, sondern um ein ruhiges Bewegungsangebot, das vor allem Senioren zugutekommen soll. Zudem seien die Geräte durch eine Hecke von den Grabstätten getrennt. Friedhöfe würden sich zunehmend auch als grüne Erholungsräume verstehen. Dabei hätte die bizarre Umgestaltung laut Friedhöfe Wien ein „Vorzeigeprojekt nachhaltiger Friedhofsentwicklung“ sein sollen. Eigentlich. Von Seiten der Friedhöfe sollten, Lenkungseffekte gesetzt werden, um allen Ansprüchen gerecht zu werden und vor allem um Trauende oder Begräbnisse nicht zu stören.

11.110 Euro für die drei installierten Trainingsgeräte: Auch die Kosten zogen massive Kritik ...
11.110 Euro für die drei installierten Trainingsgeräte: Auch die Kosten zogen massive Kritik nach sich(Bild: Imre Antal)

Zumindest einen ersten kleinen Erfolg können die Kritiker der Friedhofs-Muckibude verbuchen: Weitere Geräte an anderen Ruhestätten wird es vorerst nicht geben. Entgegen den ursprünglichen Überlegungen von Friedhöfe-Wien-Chefin Renate Niklas sind zusätzliche Mobilitäts- und Gleichgewichtstrainingsgeräte „derzeit“ nicht geplant. Für Brigitte Schwarz und andere Gegner dürfte das zumindest ein kleiner Lichtblick sein.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Hinweis in eigener Sache: Das krone.at-Forum präsentiert sich ab sofort in neuem Design! Wir freuen uns über konstruktives Feedback. Damit die Diskussionen in den Kommentarbereichen beim jeweiligen Thema bleiben, können Sie uns Rückmeldungen hier hinterlassen.

krone.tv

Top 3
Top Gutscheine
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung