Fitness statt Ruhe: Die umstrittene Freiluft-Muckibude am Friedhof in Wien-Meidling sorgt weiter für Wirbel. Besonders bitter für die Wienerin Brigitte Schwarz (78): Ihr Familiengrab liegt direkt neben den Geräten. Die Rentnerin fühlt sich von der Stadt übergangen
Die Aufregung war groß, als publik wurde, dass mitten zwischen Gräbern am Friedhof Meidling im 12. Bezirk mehrere Fitnessgeräte aufgestellt wurden. Was die Stadt als „neues Bewegungsangebot und Aufwertung des Grünraums“ präsentierte, sorgt seither bei vielen Menschen und Friedhofsbesuchern für Entsetzen und Kopfschütteln – die „Krone“ berichtete zuerst.
Doch jetzt bekommt der Wirbel eine ganz persönliche Note. Denn direkt neben der umstrittenen Freiluft-Mucki-Bude befindet sich nämlich das Familiengrab von Frau Brigitte Schwarz.
Zwischen Familiengrab und Fitnessprogramm
Die 78-jährige Rentnerin ist enttäuscht und wütend. Denn seit hier auch trainiert wird, ist für sie die Ruhe vorbei. „Ich will in Ruhe um meinen Mann trauern und nicht turnen! Das gehört hier einfach nicht her!“, macht die Wienerin ihrem Ärger gegenüber der „Krone“ Luft. Mehrmals pro Woche besuche sie das Grab ihres verstorbenen Mannes. Dabei möchte sie innehalten, sich erinnern und ein paar ruhige Momente verbringen. Stattdessen hat sie nun ausgerechnet die Fitnessgeräte direkt vor der Nase.
Der Friedhof ist doch in erster Linie ein Ort des Abschieds und des stillen Gedenkens. Mit der Ruhe ist es hier nun leider vorbei.
Brigitte Schwarz
Besonders enttäuscht ist sie darüber, dass sie und viele andere vorab nicht informiert wurden. „Das ist unmöglich. Wir wurden nicht gefragt. Alles hat seinen Platz, aber doch nicht hier am Friedhof“, kritisiert die rüstige Pensionistin, während sie eine Kerze für ihren Gatten anzündet. Für sie sei der Friedhof seit Jahrzehnten ein ganz besonderer Ort. Dass ausgerechnet unmittelbar neben der letzten Ruhestätte ihres Mannes Fitnessgeräte zum Trainieren einladen, kann sie weiterhin nicht nachvollziehen. Zu Allerheiligen hätten hier auch einige Kinder herumgespielt und getollt: „Die Eltern haben nicht einmal etwas gesagt.“ Die Debatte um den ungewöhnlichen Fitnesspark reicht mittlerweile bis ins Rathaus.
Die Friedhöfe setzen mit dem pietätlosen Fitnesspark auf das völlig falsche Pferd. Die Friedhofsgebühren wurden in den letzten 5 Jahren um 23 Prozent erhöht!

ÖVP-Gemeinderat Lorenz Mayer
Bild: ÖVP Wien/Komanek
ÖVP-Gemeinderat Lorenz Mayer forderte die zuständige Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) sogar auf, die Entfernung der Anlage zu veranlassen. Die Volkspartei unterstützte außerdem auch eine Petition, die sich gegen Friedhöfe als Freizeitparks aussprach – diese wurde aber gar nicht erst zugelassen. Doch die Besucher würden hier nicht nur über den pietätlosen Fitnesspark klagen. „Vandalismus und die seit Monaten gesperrten Toiletten sind ein echtes Problem. Wir brauchen geringere Gebühren, mehr Sicherheit und keine pietätlosen Prestigeprojekte“, so Mayer weiter.
Friedhöfe wollen allen Ansprüchen gerecht werden
Die Stadt verteidigt das Projekt hingegen. Es handle sich nicht um ein klassisches Fitnessstudio, sondern um ein ruhiges Bewegungsangebot, das vor allem Senioren zugutekommen soll. Zudem seien die Geräte durch eine Hecke von den Grabstätten getrennt. Friedhöfe würden sich zunehmend auch als grüne Erholungsräume verstehen. Dabei hätte die bizarre Umgestaltung laut Friedhöfe Wien ein „Vorzeigeprojekt nachhaltiger Friedhofsentwicklung“ sein sollen. Eigentlich. Von Seiten der Friedhöfe sollten, Lenkungseffekte gesetzt werden, um allen Ansprüchen gerecht zu werden und vor allem um Trauende oder Begräbnisse nicht zu stören.
Zumindest einen ersten kleinen Erfolg können die Kritiker der Friedhofs-Muckibude verbuchen: Weitere Geräte an anderen Ruhestätten wird es vorerst nicht geben. Entgegen den ursprünglichen Überlegungen von Friedhöfe-Wien-Chefin Renate Niklas sind zusätzliche Mobilitäts- und Gleichgewichtstrainingsgeräte „derzeit“ nicht geplant. Für Brigitte Schwarz und andere Gegner dürfte das zumindest ein kleiner Lichtblick sein.
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