Heftige Diskussionen

Fitness am Friedhof: „Ist einfach nur pietätlos!“

Wien
12.06.2026 18:30

Sind Friedhöfe ein Ort der Andacht, Trauer und Gedenken oder ein Platz für schweißtreibende Turnübungen, wie es jetzt etwa in Wien-Meidling der Fall ist? Die neuen Bewegungsangebote der Stadt regen auf. Die „Krone“ hat sich umgehört.

Auch wenn es in einem sehr bekannten Lied heißt „Der Tod, das muss ein Wiener sein“ und uns Wienern ja eine tiefe und besondere Faszination für das Morbide nachgesagt wird: Die neueste Umgestaltung am Meidlinger Friedhof – wir berichteten – sorgt für enorme Aufregung und großes Unverständnis unter den „Krone“-Lesern.

Mit rund 130.000 Quadratmetern Fläche und 17.230 Grabstellen ist der Friedhof Meidling zwar ein wichtiger Grün- und Erholungsraum für den Bezirk. Doch direkt zwischen den Grabsteinen wurden jetzt auch Trainingsgeräte aufgestellt. Zwar wird um eine „ruhige Nutzung“ der Mucki-Bude unter freiem Himmel erbeten, doch das kontrolliert keiner. Neben Trauernden kann nun also gesportelt, geschwitzt und gestöhnt werden. Respektlos geht es kaum.

Freuen sich und setzten sogar einen Strauch: Friedhofschefin Renate Niklas, Bezirkschef Wilfried ...
Freuen sich und setzten sogar einen Strauch: Friedhofschefin Renate Niklas, Bezirkschef Wilfried Zankl (SPÖ) und Stadträtin Ulli Sima (SPÖ)(Bild: Martin A. Jöchl)

Denn auch wenn sich SPÖ-Stadträtin Ulli Sima nicht vor der neuen Mucki-Bude fotografieren lassen wollte: Die Wiener Stadtwerke und somit auch die Friedhöfe Wien fallen in ihre Zuständigkeit. Sie ist politisch verantwortlich für diesen irrwitzigen Einfall.

Neue Friedhofs-Idee sorgt für reichlich Zündstoff
Die „Krone“ hat einerseits die Leser aufgerufen, ihre Meinung mitzuteilen. Viele E-Mails erreichten uns in der Redaktion. Zusätzlich haben wir am Freitagvormittag eine Umfrage vor Ort gemacht. Der Umbau sorgt jedenfalls für reichlich Gesprächsstoff unter den Besuchern.

Die Verantwortlichen sprechen von „innovativen Nutzungskonzepten“, Kritiker hingegen von einer schleichenden Entweihung der letzten Ruhestätten. Viele Hinterbliebene fragen sich: Warum muss ausgerechnet der Friedhof dafür herhalten?

(Bild: Krone KREATIV)
(Bild: Krone KREATIV)
(Bild: Krone KREATIV)

Jasmina Kotrba kommt nahezu täglich, um das Grab ihres Mannes zu pflegen. Von der Umgestaltung ist sie wenig begeistert: „Sport kann man doch auch woanders machen. Es gibt so viele Parks und Grünraum.“ Silvia S. hingegen ist richtig erbost. Sie kann nur noch den Kopf schütteln und fragt sich, wem so etwas eingefallen ist: „Ich dachte immer, dass Friedhöfe Ruhestätten sind. Denkt denn bei der Stadt niemand an die Angehörigen der Verstorbenen bei so etwas?“

Das stößt vielen sauer auf: Während Menschen am Grab ihrer Eltern, Partner oder Kinder trauern, ...
Das stößt vielen sauer auf: Während Menschen am Grab ihrer Eltern, Partner oder Kinder trauern, könnten wenige Meter weiter Sportbegeisterte ihre Muskeln trainieren(Bild: Martin A. Jöchl)

Begeistert zeigt sich hingegen die Rentnerin Erika G. „Viele Leute sind nur dagegen, weil es neu ist. Für mich ist es praktisch, ich wohne gleich daneben und werde jetzt täglich herkommen, um zu sporteln. Ein Strauchgrab habe ich mir außerdem auch schon reserviert“, so die 70-Jährige. 

Ich spaziere sehr gerne im Park oder eben auch am Friedhof, denn da ist es wenigstens ruhig. Fitness und Sport hier? Warum nicht? 

Helga, S. (70)

Pensionistin

Gegen Sport habe ich nichts, aber warum muss es ausgerechnet am Friedhof sein? Das kann man auch woanders machen. Ich hoffe, dass Rad fahren nicht erlaubt wird.

Jasmina Kotrba (67)

Pensionistin

Mich persönlich stört ein Fitnessstudio nicht, aber am Friedhof finde ich das nicht. Viele Menschen hier brauchen Ruhe, vor allem die ältere Generation.

Jolanta Andryik (60)

Pensionistin

Das ist einfach nur pietätlos. Ich käme nie auf die Idee, Sport am Friedhof zu machen. Friedhof sind doch hauptsächlich Ruhestätten.

Silvia S. (67)

Pensionistin

Ich weiß nicht so recht, was ich von den neuen Angeboten halten soll. Wer soll hier sporteln? Die neuen Bänke gefallen mir. Es bräuchte hier nur mehr Eingänge.

Anna H. (62) Pensionistin 

Ich komme extra aus Niederösterreich hierher, um zu spazieren und die Ruhe zu genießen. Ein Fitnessstudio auf einem Friedhof, also so etwas gibt es nur in Wien.

Stefanie l. (79), Pensionistin

„Friedhöfe sind mehr als nur eine Begräbnisstätte“
Friedhöfe-Wien-Geschäftsführerin Renate Niklas freut sich über Wiens erste Sportanlage auf einer Ruhestätte. Ob noch weitere folgen sollen, ist noch offen: „Friedhöfe werden mit innovativen Konzepten weiterentwickelt, denn sie sind mehr als nur eine Begräbnisstätte. Sie sind Räume für Begegnung, Artenvielfalt und Erholung inmitten der Stadt, die Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen begleiten.“

Früher hätte man sich am Friedhof auch getroffen, um Handel zu betreiben und Geschäfte zu machen. Um die Sportanlage habe man außerdem Bäume gesetzt, die später einmal als Sichtschutz dienen sollen.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung