Im Sommer wurden in Ritzing (Mittelburgenland) Häuser, Zäune und Tore mit blauer Farbe verunstaltet. Beim Prozess in Eisenstadt gab es einen Freispruch für den verdächtigten Amtmann der Gemeinde, den eine Zeugin gesehen haben will.
Die Prozessbeobachter in Eisenstadt haben vermutet, dass ein Lausbub auf der Anklagebank Platz nehmen würde – bis sich ein 62-Jähriger hinsetzt. Er soll am 20. Juni nach Mitternacht mit einer Spraydose durch Ritzing gezogen sein und mehrere Häuser, Tore, Mauern und Autos mit blauer Farbe beschmiert haben. Anwalt Nikolaus Mitrovits sagt in seinem Eröffnungsplädoyer: „Mein Mandant wird doch nicht so deppert sein und strafbare Handlungen begehen in einer kleinen Ortschaft, wo ihn jeder kennt.“ Der Mann nickt.
Mein Mandant wird doch nicht so deppert sein und strafbare Handlungen begehen in einer kleinen Ortschaft, wo ihn jeder kennt.

Anwalt Nikolaus Mitrovits
Bild: HS
Er sei auf einem Dorffest gewesen. Dort habe er ausschließlich Wasser getrunken. „Weil ich am nächsten Tag laufen gehen wollte.“ Um 2.30 Uhr habe er sich auf den Heimweg gemacht. „Und um 9 Uhr steht die Polizei da und durchsucht mein Haus. Erst nach neun Tagen habe ich erfahren, was mir eigentlich vorgeworfen wird.“
Lautes Zischen und Schüttelgeräusche
Sämtliche Geschädigten haben „keine Probleme“ mit dem Angeklagten. Die meisten bezeichnen ihn als netten, hilfsbereiten Menschen. Eine Frau jedoch, deren Besitz unversehrt geblieben war, kommt mit ihm „in letzter Zeit weniger gut zurecht. Es geht um politische Angelegenheiten“, sagt sie im Zeugenstand, bevor sie ihre Wahrnehmungen vom 20. Juni zu schildern beginnt. Um 2.15 Uhr sei sie durch lautes Zischen und Schüttelgeräusche munter geworden. Durch das Fenster will sie eine Gestalt wahrgenommen haben, die „schwankenden Schrittes damit gekämpft hat, sich den Rucksack umzuhängen. Dann habe ich ihn erkannt.“ Sie zeigt auf den Angeklagten. Erst am nächsten Tag habe sie die Schmierereien gegenüber bemerkt und kombiniert, dass da ein Zusammenhang bestehen könnte. Dass sie ihn sprayen gesehen hat, wird verneint.
Der 62-Jährige tut nun kund, dort auf dem Heimweg seine Notdurft verrichtet zu haben – vielleicht deshalb das laute Zischen und die Schüttelgeräusche?
Die Richterin erkundigt sich, wie es um seine Englischkenntnisse bestellt sei und legt dem Amtmann ein Foto vor. „ASHOLE“ ist auf eine Fassade gesprüht, es fehlt ein S. „Ich habe in Englisch maturiert“, sagt der 62-Jährige, bevor er freigesprochen wird.
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