Für den burgenländischen Schauspieler und Festspielintendanten Wolfgang Böck ist Wein mehr als nur ein Getränk. Er ist eine unerschöpfliche Quelle für Geschichten und Philosophie. Ein Gespräch über edle Tropfen und kleine Sünden, durstige Schluckspechte und ungenießbare Heckenklescher.
Wenn Wolfgang Böck (73) über Wein spricht, wird es genussvoll und ziemlich süffisant. Immerhin ist der Schauspieler und Intendant der Schlossspiele Kobersdorf bekennender Weinliebhaber und mehrfacher Weinpate. Am 12. November lädt der Wahlburgenländer, der in Draßburg einen Zweitwohnsitz hat, im Weinwerk Burgenland in Neusiedl am See zu einer besonderen Verkostung ein.
Bei seiner satirischen Lesung „Böck liest Wein“ lässt er bekannte Autoren wie Charles-Pierre Baudelaire, Bertolt Brecht, Hugo Wiener, Erika Molny, Roland Neuwirth und Erich Sedlack zu Wort kommen und über ihre Liebe zum Rebensaft und seine vergnüglichen Auswirkungen sinnieren. Dabei sind die Texte „so vielfältig wie die Weine selbst“. Die einen kommen trocken daher, die anderen lieblich, während die nächsten für einen ordentlichen Abgang sorgen: „Gute Literatur hält sich lange, so wie guter Wein.“
Drei Achterl und die ungeschönte Wahrheit
Würde der Rebensaft sprechen können – was würde er über Böck sagen, wenn dieser zu tief ins Glas blickt? „Da gäbe es viele Geschichten. Bestimmt wären nicht alle jugendfrei“, sagt er und hält fest, dass er kein Önologe sei: „Dazu braucht es viel Fachwissen und Erfahrung. Würde ich den Wein bei einer Verkostung trinken, brächte ich nach drei Achterln kein brauchbares Urteil mehr zustande.“ Eine bemerkenswert ehrliche Einschätzung, die so manchen selbst ernannten Weinguru nachdenklich stimmen dürfte.
Beim professionellen Verkosten darf es analytisch zugehen – mit Farbe, Nase und Abgang: „Ansonsten kommt ins Glas, was schmeckt!“ Ob Böck einen Lieblingswein für besondere Anlässe hat und einen anderen für jene Tage, an denen man einfach nur froh ist, dass sie vorbei sind? „Nein, ich hab’s nicht so mit den Lieblingen“, erklärt der einst legendäre TV-Kult-Kieberer „Trautmann“ trocken wie ein Pinot Grigio. Daher sei ihm noch nie in den Sinn gekommen, mit Schauspielkunst schlechten Wein schönzureden: „Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken.“
Ein kollektives Besäufnis mit Bildungsauftrag?
Dass viele Menschen beim Weintrinken gerne philosophisch werden und beim Philosophieren immer wieder beim Wein landen, ist für ihn „nicht typisch österreichisch“. Dieses Phänomen gebe es auf der ganzen Welt. Doch wir Burgenländer hätten definitiv ein sehr spezielles Verhältnis zum Wein, sagt. Aber was steckt hinter dem Genuss? Ein Lebensgefühl oder doch ein gesellschaftlich akzeptierter Vorwand, um sich volllaufen zu lassen? „Ich meine, es ist ein Kulturgut. Eine Ausrede zum Saufen kann man immer finden!“
Ob der Abend mit ihm also eine Lesung mit Getränkebegleitung oder doch ein kollektives Besäufnis mit literarischem Bildungsauftrag ist, überlässt er jedem selbst: „Das liegt im Auge des Betrachters. Mich freut es, wenn ich mich vor einem zufriedenen und gut gelaunten Publikum verbeugen kann!“ Sollte Böck sich übrigens eines Tages zwischen Schauspielerei und Wein entscheiden müssen, wäre die Antwort rasch gefunden: „Auch wenn man nicht mehr spielen kann, kann man wahrscheinlich noch Wein trinken.“
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