Wegen einer Clanfehde zwischen zwei serbischen Familien brannte es einem 32-Jährigen die Sicherungen durch. Mit seinem Auto knallte er absichtlich gegen das parkende Taxi seines Gegners – der schlief aber in seinem Pkw. „Mein Mandant wollte sich rächen“, erklärt der Verteidiger. Für den Angeklagten geht der Prozess glimpflich aus.
Bereits vor dem Gerichtssaal 101 im Wiener Landl zeichnen sich zwei Lager ab. Die Familien stehen in Grüppchen zusammen, kehren sich gegenseitig den Rücken zu. „Ich will da jetzt eigentlich nicht die ganze Familiengeschichte besprechen“, sagt Frau Rat sofort. Denn es dürfte schon seit Monaten einen andauernden Streit zwischen den Serben geben.
Opfer schlief in seinem Taxi
Am 20. Juli brannte es einem 34-Jährigen dann die Sicherungen durch. Schauplatz Tiefgarage, wo das Opfer – ein gleichaltriges Familienmitglied des feindlichen Clans – oft in seinem Taxi schlief. „Ich wollte eigentlich nur zur Tankstelle Zigaretten kaufen“, sagt der Angeklagte. Stattdessen raste er mit seinem Auto mit voller Wucht in den parkenden Pkw des Schlafenden.
Mein Mandant wollte sich rächen. Er wollte ihm eins auswischen.
Verteidiger des 32-jährigen Serben
„Ich bin glücklich, dass ich noch hier sitzen darf“, sagt das Opfer vor der Richterin. Der Mann knallte mit seinem Kopf gegen den Rückspiegel des Autos, war laut eigenen Angaben blutüberströmt. Der Verteidiger des 32-jährigen Serben sagt: „Er will nichts beschönigen. Er ist in das Auto reingefahren. Mein Mandant wollte sich rächen. Er wollte ihm eins auswischen.“ Dass der Taxifahrer in dem Fahrzeug schläft, hätte er aber nicht gewusst.
Auch eigenes Auto ein Totalschaden
Frau Rat hakt nach: „Hätten Sie zumindest vermuten können, dass er da drinnen ist?“ Der Serbe gibt zu: „Ja.“ – „Das war ein Riesenblödsinn, was Sie da gemacht haben. Sie haben auch ihr eigenes Auto ruiniert. Das ist ja auch ein Totalschaden“, rügt ihn die Richterin. Weil der Angeklagte aber Verantwortung übernimmt, unbescholten ist und bereit ist 500 Euro Schadensersatz zu zahlen, gibt es eine Diversion mit zwei Jahren Probezeit.
Für den 32-Jährigen dürfte das Thema aber noch nicht ganz abgehakt sein, denn der Schaden an dem Taxi, dass freilich einem Unternehmen und nicht dem Opfer gehört, ist noch offen. „Mein Chef hat gemeint, er will das Gerichtsurteil noch abwarten“, sagt der verletzte Serbe. Da könnte es noch eine zivilrechtliche Klage geben ...
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