Der Geschäftsklima-Index der Vorarlberger Industrie klettert im zweiten Quartal 2026 zwar leicht ins Plus, doch die Sorgen im Ländle bleiben groß. Von einer echten Erholung spüren die heimischen Unternehmer nichts. Der Barometerstand liegt aktuell bei plus 2,4 Punkten. Das sieht zwar besser aus als im trüben Vorquartal, verharrt im mehrjährigen Vergleich aber auf einem bescheideneren Niveau.
Zuversicht ist Mangelware: Sieben von zehn befragten Firmen erwarten nicht, dass sich ihre Aufträge oder ihre Lage in nächster Zeit verbessern. Auch beim Gewinn mussten viele Unternehmer zuletzt Federn lassen. Kein einziger der Befragten rechnet damit, dass die Gewinne im nächsten halben Jahr wieder steigen. Stattdessen stellt sich ein Drittel der Betriebe darauf ein, die eigene Produktion weiter zu drosseln.
Elektro- und Elektronikindustrie unter Druck
Diese anhaltende Flaute spüren zunehmend auch die Beschäftigten. Ein Viertel der Unternehmen plant, Stellen abzubauen, während nur wenige Betriebe neue Leute einstellen. Besonders stark steht die Elektro- und Elektronikindustrie unter Druck: Hier geht die Mehrheit der Betriebe von sinkenden Mitarbeiterzahlen aus. Zeitgleich zeigt sich ein deutlicher Wandel auf dem heimischen Arbeitsmarkt. Während in den Produktionsbetrieben Hunderte Stellen wegfallen, wächst der öffentliche Dienst weiter.
Mitten in der Deindustrialisierung
„Die schleichende Deindustrialisierung ist längst keine theoretische Gefahr mehr. Sie findet statt – auch in Vorarlberg“, warnt Simon Kampl, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung (IV). Er hinterfragt diesen Trend kritisch: „Während industrielle Arbeitsplätze verloren gehen, wächst die Beschäftigung in staatsnahen Bereichen weiter. Das mag kurzfristig die Beschäftigung stabilisieren. Langfristig stellt sich aber eine zentrale Frage: Wer erwirtschaftet künftig den Wohlstand, mit dem wir unseren Sozialstaat, unsere Infrastruktur und unsere öffentlichen Leistungen finanzieren?“
Ein Blick auf die einzelnen Sparten zeigt ein gespaltenes Bild. Als Lichtblick erweist sich derzeit die Maschinen- und Metallindustrie, in der mehr als die Hälfte der Betriebe von guten Geschäften berichtet. Doch auch dort trüben sich die Gewinnerwartungen für die zweite Jahreshälfte massiv ein. Völlig anders ist die Stimmung in der Elektrobranche, wo jedes zweite Unternehmen über eine schlechte Lage klagt. Hier machen den Betrieben vor allem die gestiegenen Personalkosten zu schaffen.
Jammern über hohe Tarifabschlüsse
Michael Amann, Geschäftsführer der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer, verweist darauf, dass die hohen Tarifabschlüsse der letzten Jahre die Wettbewerbsfähigkeit spürbar verschlechtert haben. Auch bei der Verpackungsindustrie, die oft als Frühindikator für die gesamte Wirtschaft gilt, bricht die Stimmung ein. „Diese Unternehmen verpacken, vereinfacht gesagt, die Produkte anderer, vor allem regionaler Unternehmen, die ihrerseits unter starkem Kostendruck stehen und diesen Druck an ihre Zulieferer weitergeben“, erklärt Amann.
Damit der Standort Vorarlberg nicht weiter an Boden verliert, fordern die IV-Verantwortlichen rasche Reformen. Geldgeschenke oder Subventionen verlangt niemand, wohl aber spürbare Entlastungen: weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungen und niedrigere Lohnnebenkosten.
Viele Arbeitsplätze hängen an der Industrie
IV-Präsident Elmar Hartmann betont, wie viel für das gesamte Land auf dem Spiel steht: „Industriepolitik ist keine Politik für Unternehmen. Industriepolitik ist Politik für die Menschen im Land. Denn jeder Arbeitsplatz in der Industrie schafft weitere Arbeitsplätze bei Zulieferern, Dienstleistern, Handel, Handwerk und in den Regionen.“ Wenn Vorarlberg seinen Wohlstand sichern wolle, müsse die Politik jetzt handeln und die Betriebe im internationalen Wettbewerb stärken – bevor die Wertschöpfung Schritt für Schritt ins Ausland abwandert.


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