Amtssitz an der Spree

Bundespräsident zieht in Holzbau aus Vorarlberg

Vorarlberg
03.11.2026 17:30
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Ein sechsstöckiges Bürogebäude am Berliner Spreebogen dient derzeit als Ausweichquartier für den deutschen Bundespräsidenten. Bauherr und Architekten setzten dabei auf Holz-Hybrid-Bauweise – umgesetzt von einem Betrieb aus dem Bregenzerwald. Die Module kamen vorgefertigt aus der Fabrik, nach 20 Monaten stand der Bau.

Öffentliche Großprojekte geraten selten wegen ihrer Pünktlichkeit in die Schlagzeilen. Bei der neuen Ausweichstelle für das deutsche Bundespräsidialamt am Berliner Spreebogen verlief der Prozess anders. Nach nur 20 Monaten Bauzeit war das Bürogebäude bezugsfertig, die Kosten blieben mit 205 Millionen Euro im kalkulierten Rahmen. Das Bauwerk mit 18.700 Quadratmetern Nutzfläche und 179 Büros geht auf eine Zusammenarbeit des Architekturbüros Sauerbruch Hutton, des Entwicklers Primus sowie des Vorarlberger Holzbauspezialisten Kaufmann Bausysteme zurück.

Planung im Bregenzerwald, Montage in Berlin
Der Entwurf kombiniert verschiedene Bauweisen. Fundamente und Treppenkerne bestehen aus Stahlbeton, während der Großteil der Büro- und Sanitäreinheiten aus vorgefertigten Holzmodulen zusammengesetzt ist. Das oberste Geschoss wurde als Holzelementbau ausgeführt, um größere Raumhöhen für Veranstaltungen zu ermöglichen. Geplant wurden die 382 benötigten Module am Firmensitz von Kaufmann Bausysteme in Reuthe im Bregenzerwald. Die Fertigung ging dann in einem Werk im Raum Berlin über die Bühne. 

Das von Kaufmann Bausysteme realisierte Holz-Hybrid-Bauwerk bietet auf sechs Stockwerken und ...
Das von Kaufmann Bausysteme realisierte Holz-Hybrid-Bauwerk bietet auf sechs Stockwerken und 18.700 Quadratmetern Platz.(Bild: Jan Bitter)
Unbehandelte Holzoberflächen und farbige Wandverkleidungen prägen das Bild.
Unbehandelte Holzoberflächen und farbige Wandverkleidungen prägen das Bild.(Bild: Jan Bitter)
Die Holzmodule fügen sich zu modernen Büros und Besprechungsräumen.
Die Holzmodule fügen sich zu modernen Büros und Besprechungsräumen.(Bild: Jan Bitter)
179 Büros sind in dem Gebäude untergebracht.
179 Büros sind in dem Gebäude untergebracht.(Bild: Jan Bitter)
205 Millionen Euro kostete das neue Schmuckstück.
205 Millionen Euro kostete das neue Schmuckstück.(Bild: Jan Bitter)

Im Inneren des Gebäudes prägen unbehandelte Holzoberflächen und farbige Wandverkleidungen das Bild. Die Konstruktion ist modular angelegt: Wände zwischen den Modulen können bei Bedarf versetzt oder entfernt werden. Das ist auch für die spätere Nutzung relevant – zieht das Bundespräsidialamt nach der Sanierung seines Stammsitzes wieder ab, sollen dort andere deutsche Bundesbehörden untergebracht werden. Energetisch entspricht das Objekt dem Standard „Effizienzgebäude Bund 40“ und wird über Fernwärme sowie eine eigene Photovoltaikanlage versorgt.

Kapazitäten in Deutschland ausgebaut
Für das Vorarlberger Unternehmen, das 2027 sein 75-jähriges Bestehen feiert, bildet der Berliner Amtssitz den vorläufigen Höhepunkt einer Reihe von Großprojekten im Nachbarland. Das Firmenkonzept setzt auf die serielle Vorfertigung im Werk, um baubedingte Emissionen und Montagezeiten vor Ort zu reduzieren. Aktuell baut das Unternehmen an weiteren Standorten in Deutschland: Im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive entstehen derzeit zehn Schulen in Holzmodulbauweise. Hinzu kommen Wohnanlagen für Studierende in Eichstätt, Regensburg sowie der Campus Erftstadt in Nordrhein-Westfalen. 

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