Bundesheer-Schmäh. Wieder ein Rekord bei den Zivildienern - im Oktober, wie schon zuvor im August und im September, haben sich so viele junge Männer wie nie bisher in diesem Monat für den Zivildienst entschieden. Das marode Bundesheer, an dem seit Jahrzehnten immer nur herumgedoktert wird, blutet weiter aus. Die Politik hat fast alles versäumt und stets auf das gefährliche Prinzip Hoffnung gebaut. Im Kalten Krieg zwischen West und Ost hoffte man, sich mit geringstmöglichem Aufwand, dafür mit einer ordentlichen Portion österreichischem Schmäh durchwurschteln zu können.
Wehrpflichtige springen ab. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs träumte man hierzulande davon, es werde in Europa ohnehin nie wieder Krieg geben. Also abrüsten, ohne je aufgerüstet zu haben. Doch nun tobt seit Jahren ein Krieg ganz in unserer Nähe, Aggressor Russland bedroht längst nicht nur die Ukraine, sondern auch Westeuropa. Was macht man also in Österreich? Man redet von Rieseninvestitionen ins Militär, die wir uns eh nie leisten können. Diskutiert nicht, wie sich das Land künftig verteidigen soll, sondern will zuerst den Wehrdienst verlängern. Nach ewigem Zank einigte sich die auch in dieser Frage zerstrittene Dreier-Koalition auf einen schwachen Kompromiss, eine dreimonatige Verlängerung. Ein Plan, der aber erst umgesetzt werden kann, wenn eine Oppositionspartei, also entweder Blaue oder Grüne, mit ins Boot geholt werden kann. Unterdessen springen immer mehr Wehrpflichtige aus dem Bundesheer-Boot. Ein multiples Polit-Versagen – auch, weil man es sichtlich überhaupt nicht schafft, den jungen Leuten zu vermitteln, dass sie beim Bundesheer einen sinnvollen Dienst leisten. Offenbar hat bisher vor allem das Argument des kürzeren Dienstes fürs Heer gesprochen. Und sonst fast nichts.
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