Kinderwunschbehandlungen lassen sich oft nur schwer mit dem Berufsalltag vereinbaren. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Organisation Fertility Europe. Demnach befürchten drei von vier befragten Frauen berufliche Nachteile durch künstliche Befruchtung.
Mehr als 70 Prozent der 2717 Befragten gaben an, dass Unfruchtbarkeit beziehungsweise Kinderwunschbehandlungen ihre langfristige Karriereplanung beeinflusst hätten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Unfruchtbarkeit so, dass nach einem Jahr Sex zu optimalen Zeitpunkten keine Schwangerschaft eintritt. Laut der Umfrage versuchen viele Betroffene, ihren Arbeitsalltag zwischen Arztterminen und Hormonbehandlungen unverändert fortzuführen. Fast alle (97 Prozent) empfinden die Vereinbarkeit jedoch als belastend.
So sind etwa die körperlichen und psychischen Folgen am Arbeitsplatz oft unsichtbar. 72 Prozent haben Angst für negativen beruflichen Auswirkungen durch ihre Diagnose oder Behandlung. Ungefähr acht von zehn (81 Prozent) sagten, dass sie dafür bereits dem Job fernbleiben mussten. Die Mehrheit (58 Prozent) nutzte dafür mindestens einmal Urlaubstage.
Kinderwunschbehandlungen kosten enorm viel Kraft und bleiben für das Umfeld oft unsichtbar.
Christina Fadler, Obfrau Verein Die Fruchtbar
„Wird zu zweitem Vollzeitjob“
Die Umfrage wurde in 33 europäischen Ländern durchgeführt, aus Österreich nahmen 127 Frauen teil. Die Ergebnisse für Österreich sind ähnlich. Auch hierzulande berichten fast alle Befragten (97 Prozent) von Stress oder Ängsten bei der Vereinbarkeit von Diagnose oder Behandlung und Beruf. „Für viele Betroffene wird eine Kinderwunschbehandlung zu einem zweiten Vollzeitjob. Sie müssen zahlreiche, oft zyklusbedingt erforderliche und schwer planbare Arztbesuche neben einem Vollzeitjob organisieren, Medikamente nehmen, Rückschläge verkraften und gleichzeitig im Beruf funktionieren. Das kostet enorm viel Kraft und bleibt für das Umfeld oft unsichtbar“, sagte Christina Fadler, Obfrau von Die Fruchtbar, einem Verein für den Kinderwunsch.
Die Regelungen in Europa sind unterschiedlich. Während es in Österreich bisher keine spezifische gesetzliche Regelung zur Freistellung von Kinderwunschbehandlungen gibt, haben andere Länder bereits konkrete Schutz- und Freistellungsregelungen geschaffen. Darunter sind etwa Frankreich, Griechenland, Dänemark und Belgien. Dort gibt es bezahlten Sonderurlaub, Ansprüche auf Freistellung für die Behandlungen und Schutz vor Benachteiligungen und Kündigungen. Die Fruchtbar und Fertility Europe fordern flexible Arbeitszeiten für Betroffene, verlässliche Möglichkeiten für Behandlungstermine und einen vertraulichen Umgang mit persönlichen Informationen am Arbeitsplatz.
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