Nicht nur hohe Kosten

Weg zum Wunschkind: Womit Unfruchtbare kämpfen

Österreich
19.06.2024 13:33

Jeder sechste Mensch auf der Welt ist laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unfruchtbar. Obwohl Unfruchtbarkeit eine anerkannte Krankheit ist, gibt es diese Diagnose in Österreich nicht. Betroffene, die sich ein Kind wünschen, stehen vor zahlreichen Hürden.

So werden Kosten für Behandlungen nur teilweise übernommen und für den In-Vitro-Fertilisations-Fonds sind entsprechende Krankheitsbilder und Diagnosen nötig, wie aus dem zweiten Fertility (Fruchtbarkeit, Anm.) Atlas hervorgeht, der die Situation innerhalb Europas miteinander vergleicht. Dahinter stehen die Organisation Fertility Europe und das parlamentarische Netzwerk European Parliamentary Forum for Sexual and Reproductive Rights (EPF).

Zusätzliche Kosten für Untersuchungen
Dem Bericht nach sind trotz Förderung ungefähr 1100 Euro pro IVF-Behandlung selbst zu zahlen, hinzu kommen weitere Ausgaben für Medikamente und Untersuchungen. Die In-Vitro-Fertilisation (IVF) ist eine Befruchtung, die in einem Reagenzglas durchgeführt wird. Dazu werden der Frau Eizellen entnommen, die dann mit den Samenzellen des Partners befruchtet werden. 

Von links: Anita Fincham (Fertility Europe), Vladislav Velizanin (EPF), Christina Fadler („Die Fruchtbar – Verein Kinderwunsch Österreich & Fertility Europe) Petra Bayr (SPÖ-Abgeordnete, EPF) und Leonidas Galeridis (EPF) bei der Pressekonferenz am Mittwoch (Bild: Himmelhoch)
Von links: Anita Fincham (Fertility Europe), Vladislav Velizanin (EPF), Christina Fadler („Die Fruchtbar – Verein Kinderwunsch Österreich & Fertility Europe) Petra Bayr (SPÖ-Abgeordnete, EPF) und Leonidas Galeridis (EPF) bei der Pressekonferenz am Mittwoch

Pro Paar und angestrebter Schwangerschaft unterstützt der Fonds vier Versuche. Dazu sind eine entsprechende Diagnose wie die Sterilität des Mannes oder die Krankheit Endometriose bei der Frau sowie eine Altersgrenze der Frau von 40 Jahren nötig. Gleichgeschlechtliche weibliche Paare haben einen Zugang zu der Behandlung, gleichgeschlechtliche männliche Paare und alleinstehende Frauen nicht.

Bestimmte Behandlungen verboten
Die Kosten für andere Behandlungen wie Insemination, sprich Samenübertragung, müssen die Betroffenen zur Gänze selbst tragen. Dabei werden Samen in den weiblichen Genitaltrakt übertragen. Leihmutterschaft und Embryonenspenden – dabei stammen die genetischen Informationen von einer anderen Frau und einem anderen Mann –  sind in Österreich verboten. Das Einfrieren von Eizellen ist nur unter bestimmten medizinischen Gründen erlaubt.

Zitat Icon

Für das österreichische öffentliche Gesundheitssystem gibt es Unfruchtbarkeit nicht. Betroffene Paare werden – bis auf die Förderung durch den IVF-Fonds – mit der Diagnose finanziell und emotional alleine gelassen.

Christina Fadler, Wiener Verein „Die Fruchtbar“

Unabhängige Informationen dazu seien schwer zu finden, kritisiert Christina Fadler, Obfrau des Vereins „Die Fruchtbar“ und selbst Betroffene. „Für das österreichische öffentliche Gesundheitssystem gibt es Unfruchtbarkeit nicht. Betroffene Paare werden – bis auf die Förderung durch den IVF-Fonds – mit der Diagnose finanziell und emotional alleine gelassen (...).“ In der Selbsthilfegruppe könnten Kindergartenpädagoginnen ihren Beruf aufgrund der seelischen Belastung bereits nicht mehr ausüben.

Was bedeutet Unfruchtbarkeit?

Die WHO spricht von Unfruchtbarkeit, wenn auch bei regelmäßigem, ungeschütztem Sex zu optimalen Zeitpunkten über mindestens ein Jahr keine Schwangerschaft eintritt.

Psychotherapie und Beratung für Betroffene
Um die Situation für ungewollt Kinderlose zu verbessern, fordert der Verein beispielsweise die Anerkennung von Unfruchtbarkeit als Krankheitsbild, kostenlose beziehungsweise günstige Psychotherapie, eine unabhängige Beratungsstelle für Endometriose (Unterleibserkrankung, Anm.) und Kinderwunsch sowie ein einheitliches Register und Statistiken zu Kinderwunschbehandlungen.

„Wir fordern die politischen Entscheidungsträger auf, das universelle Recht auf Kinderwunsch anzuerkennen, öffentliche Mittel bereitzustellen und das Stigma der Unfruchtbarkeit abzubauen (...)“, sagt Leonidas Galeridis vom EPF. Der Zugang zu Fertilitätsbehandlungen müsse gleichberechtigt und sicher sein.

Der Fertility Atlas gibt einen Überblick über die Situation in europäischen Ländern. Kriterien sind etwa gesetzliche Grundlagen, die finanzielle Unterstützung von Betroffenen und der Zugang für gleichgeschlechtliche Paare. Österreich ist demnach im Mittelfeld – hinter Staaten wie Belgien, den Niederlanden und Frankreich, aber vor Ländern wie Italien, der Slowakei und Albanien.

Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.



Kostenlose Spiele