„Krone“-Gastkommentar

Armer Sparefroh

Kolumnen
02.11.2026 11:00

Nicht nur, weil am Samstag neben Halloween auch das 101. Jubiläumsjahr vom Weltspartag begangen wurde, sind Sumsi und Sparefroh von gestern. Ihre Strahlkraft ist verblasst.

Von den 1960er- bis in die 1980er-Jahre trugen Generationen von Kindern am Weltspartag voller Vorfreude ihre Sparschweine zur Bank. Als Belohnung gab es bunte Geschenke. Die Botschaft: Wer regelmäßig Geld zurücklegt, kann ein Vermögen aufbauen.

Auch heute hat das Sparbuch, einst der Inbegriff finanzieller Vernunft, noch seine Berechtigung – als sicheres, kurzfristiges Gelddepot. Zum Vermögensaufbau taugt es jedoch nicht. Wer ausschließlich darauf setzt, verliert langfristig an Kaufkraft. Ein Vergleich macht deutlich: Wer vor 10 Jahren 10.000 Euro angelegt hat, kommt mit Weltaktien heute auf 32.600 Euro, mit Gold auf 30.000 Euro, mit einem Sparbuch hingegen nur auf 10.600 Euro und mit US-Staatsanleihen auf 10.500 Euro. Zugleich sind die Verbraucherpreise um knapp 42 Prozent gestiegen. Wer aus 10.000 Euro binnen 10 Jahren weniger als 14.200 Euro gemacht hat, hat Kaufkraft verloren. Dem Sparbuchsparer fehlt damit rund ein Viertel.

Einen bleibenden Wert hat die Sparbuchkultur dennoch bewirkt: Sie hat Generationen Sparsamkeit gelehrt. Wer mit Sumsi und Sparefroh aufgewachsen ist, legt vielfach bis heute lieber Geld zurück, als sich zu verschulden. Die Tugend des Sparens hat überlebt. Das Sparbuch als Mittel zum Vermögensaufbau hat de facto ausgedient.

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