Die Wiener Polizei forschte einen Serben (43) aus, der von Wien aus einen florierenden Handel mit Kokain und Cannabis betrieb. Die brisante Ware lagerte er mitten in der Garage eines unscheinbaren Wohnhauses in einem präparierten Mercedes. Brisant: Die Ermittlungen gegen die Gruppe mussten abgebrochen werden, weil ein Frauenmord drohte.
17 Jahre und zwei Monate Haft fassten die Mitglieder eines von Wien aus betriebenen Drogenringes insgesamt aus. Eine Bilanz, mit der Major Christoph Hackl vom Landeskriminalamt Wien durchaus zufrieden sein kann. Dennoch gibt es einen Wermutstropfen um die Ermittlungen gegen den laut Hackl „mafiösen Clan“. Nachdem einer der Sub-Dealer, ein amtsbekannter und mehrfach vorbestrafter Wiener (38), Morddrohungen gegen seine „Ex“ ausgestoßen hatte, musste zugeschlagen werden.
Lokal war in der Drogenszene bestens bekannt
Doch alles von Beginn an: Ein interessanter Tipp mitten aus der Wiener Drogenszene beschäftigte die Polizei schon seit Oktober 2025. In einem Nachtlokal in der Meidlinger Steinbauerstraße, so hieß es, floriere der Handel mit Kokain und Waffen. Als Hauptzielperson wurde rasch ein 43-jähriger Serbe ausgemacht, der nicht in Österreich gemeldet war, sich jedoch in dem Lokal herumtrieb und sich auch in der Garage eines unscheinbaren Mehrparteienhauses in Liesing „eingenistet“ hatte. Wofür er den Stellplatz hatte, wurde dann erst später klar.
Der Mann war für die Schmuggelfahrten gut vorbereitet. Im Auto lagerten Ski, Skischuhe und andere Ausrüstung, um sich als Ski-Tourist zu tarnen.
Einer der ermittelnden Beamten zur „Krone“
Von Slowenien nach Valencia, dann zurück
Der Polizei war rasch bewusst, dass sich 30 Kilogramm Kokain auf dem Weg nach Österreich befinden mussten. Dafür fuhr ein Fahrzeug von Slowenien über Italien und Frankreich bis ins spanische Valencia, holte dort die Drogen ab und lieferte sie via Fähre ins italienische Genua und nach Österreich. Um eine saubere Beweiskette vorzulegen, observierten die Polizisten zuvor aber Dealer, wie sie 600 Gramm Kokain übergaben. Dann konzentrierten sich die Ermittlungen auf den Mercedes mit der „Lieferung“. Der Serbe wollte übrigens von seinen Machenschaften ablenken und hatte dafür das ganze Auto mit Ski und Skiausrüstung vollgestopft, um sich als Ski-Tourist zu tarnen.
Magnetversteck in Rückbank von Mercedes
In Liesing wurde der 43-jährige Serbe dabei beobachtet, wie er nervös mit mehreren Handys hantierte und vor seiner Garage wartete. Bis ein Mercedes mit Düsseldorfer Kennzeichen erschien. Im Auto befanden sich in einem magnetischen Geheimversteck mehr als 20 Kilogramm Drogen. Jenes Versteck, das sich unter den Rücksitzen befand, konnten erst Spezialisten des Bundeskriminalamtes ausfindig machen, nachdem das Auto am Weg nach Slowenien an der Grenze im steirischen Spielfeld gestoppt wurde. Ein 31-jähriger Kroate, der für die Kokain-Lieferungen zuständig gewesen ist, wurde festgenommen.
Uns war nach der Morddrohung bewusst: Jetzt ist Feuer am Dach. Ab diesem Zeitpunkt war die Verhinderung eines Femizids wichtiger als die Drogenermittlungen.

Major Christoph Hackl schilderte der „Krone“ die dramatischen Momente
Bild: Stefan Steinkogler
Mehrere Festnahmen in zwei Ländern
Ein weiterer Lieferant, ein 31-jähriger Österreicher, war für die Organisation von Cannabisharz zuständig. 27,5 Kilogramm wurden sichergestellt, ebenso die leeren Verpackungen von weiteren 37 Kilogramm. Zusätzlich wurden ein 39-jähriger Serbe, ein Iraker (36) und ein Österreicher (38) als Sub-Händler festgenommen. Jener Österreicher sorgte dafür, dass die Ermittlungen jäh zu einem Ende kommen mussten. Nachdem der mehrfach verurteilte Stalker und Gewalttäter seiner Ex-Frau offen mit Mord gedroht hatte, erfolgte der Zugriff.
Frauenmord wohl in letzter Sekunde verhindert
„Die Verhinderung eines Femizids war ab diesem Moment einfach wichtiger“, schildert Major Hackl die dramatischen Szenen. Offenbar geschah dies in letzter Sekunde: Der amtsbekannte Wiener hatte eine geladene Pistole in der Mittelkonsole seines Wagens. Nebenbei wurden auch Mikrofone und Peilsender bei ihm gefunden. Seine Ex-Frau hatte zuvor die Vermutung geäußert, der 38-Jährige würde sie und ihre Kinder überwachen und ausspionieren. Auch im deutschen Düsseldorf kam es zu einer Festnahme, zusätzlich wurden in Valencia Wohnungen durchsucht. Drei Fahrzeuge wurden sichergestellt, ebenso fünfstellige Eurobeträge, 27,5 Kilogramm Cannabisharz und mit 30,2 Kilo Kokain die größte Menge der letzten zehn Jahre in Wien.
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